Für den Bereich International der IHK zu Essen zeichnete sich bereits im Februar ab, dass Corona mehr als nur ein Randthema sein würde – ohne jedoch die enorme Wucht absehen zu können.

Hoher Beratungsbedarf bei ständig wechselnden Themen

„Der Corona-bedingte Beratungsbedarf der MEO-Firmen im internationalen Geschäft bleibt bis heute hoch und war über Monate von einem ständigen Wechsel der Schwerpunkte geprägt“, betont Veronika Lühl, stv. IHK-Hauptgeschäftsführerin und verantwortlich für den Bereich International.

Zunächst häuften sich Anfragen zu Themen wie Lieferkettenmanagement, Zollabwicklung und Reiseeinschränkungen in von Corona betroffenen Ländern. Zu Beginn auf das Asien-Geschäft beschränkt, betraf es ab März die Handelsbeziehungen der MEO-Unternehmen weltweit.

Mit dem wachsenden Bewusstsein, es mit einem langanhaltenden Problem zu tun zu haben, rückten Fragen zur finanziellen und vertraglichen Absicherung von Geschäften in den Fokus. Beratungen zum internationalen Handel von „Persönlicher Schutzausrüstung (PSA)“ und anderen medizinischen Produkten standen im April ganz oben auf der Agenda – sowohl beim Import als auch beim Export. Ab Mai mehrten sich wieder Anfragen zur Mitarbeiterentsendung – eine Art Vorbote einer allmählichen Beruhigung der akuten Krisenphase.

Da nach dem Lockdown lange Zeit keine Präsenzveranstaltungen stattfinden konnten und der Informationsbedarf der Unternehmen zu aktuellen Entwicklungen in der Welt hoch war, musste neu gedacht werden. Mit dem Ergebnis: Seit April bieten die IHKsin NRW und bundesweit in Zusammenarbeit mit dem  Netzwerk der deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) Webinare zu den drängenden Fragen in den internationalen Zielmärkten an. Das Veranstaltungsformat fand bei den Unternehmen sehr großen Zuspruch. Grund genug, Webinare auch zukünftig als festen Bestandteil im IHK-Angebot zu verankern.

Neue (digitale) Wege im Dokumentengeschäft

Viel praktischer gelagert waren die Herausforderungen im Dokumentenservice der IHK. Hunderte MEO-Unternehmen waren und sind auf einen reibungslosen Service zur Abwicklung ihrer Auslandsgeschäfte angewiesen – auch in Corona-Zeiten. Wie konnte dies über viele Wochen gewährleistet werden, obwohl nach dem Lockdown kein Besucherverkehr in der IHK mehr zugelassen war?

Mit hoher Einsatzbereitschaft, Flexibilität und dank einer digitalen Neuerung. So war und ist das Team im Dokumentenabteilung für seine Kunden jederzeit vollumfänglich erreichbar – in der Regel vor Ort in der IHK und nur zeitweise mobil zu Hause. Die Dokumentenabwicklung wurde kontaktlos organisiert. Wie wichtig dieser Kundenservice war, unterstreichen die Zahlen: So wurden von April bis Juni – trotz eines spürbaren Rückgangs – rund 4.400 Ursprungszeugnisse und sonstige Bescheinigungen ausgefertigt. Die uneingeschränkte Erreichbarkeit der
IHK in der Krise wurde von den Unternehmen ausdrücklich gewürdigt.

Im Rückblick besonders hilfreich war die Einführung einer neuen Stufe der IHK-Webanwendung zur Ausstellung des elektronischen Ursprungszeugnisses (eUZ). Seit Jahresbeginn können die Firmen – erheblich vereinfacht in der Handhabung – quasi „auf Zuruf“ das neue elektronische Verfahren zur Ausstellung der benötigten Dokumente anwenden. Mit hoher und wachsender Nachfrage: Waren zu Beginn der Corona-Krise erst acht Firmen dabei, nutzen inzwischen über 70 Unternehmen das digitale Verfahren. Mittlerweile werden rund ein Drittel aller Dokumente
elektronisch ausgestellt – Tendenz steigend.

Alle Infos zum eUZ-Verfahren unter www.essen.ihk24.de; Dok.-Nr. 4655056.

IHK-Engagement auf politischer Ebene gefragt

Ein regelbasierter Welthandel mit offenem Zugang zu Märkten – besonders in Europa – ist und bleibt ein wesentlicher Erfolgsfaktor im internationalen Geschäft. Durch Corona haben aktuell Protektionismus und nationale Alleingänge Hochkonjunktur. „Damit gewinnt unser IHK-Engagement für freie Märkte auf politischer Ebene – in NRW, im Bund und europaweit – in den kommenden Monaten erheblich an Bedeutung“, erklärt Veronika Lühl.

Die Corona-Krise wird das globale Fahrwasser für die international tätigen MEO-Firmen auf unabsehbare Zeit aufwühlen. Der IHK-Bereich International steht dafür, die Firmen um die Klippen zu lotsen.