Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft in der MEO-Region

Die durch das Corona-Virus ausgelösten Entwicklungen haben eine zuvor so nicht vorstellbare Dynamik angenommen – mit gravierenden Auswirkungen in vielen Bereichen in der Wirtschaft und dem öffentlichen Leben. Restaurants und Geschäfte wurden geschlossen, viele Unternehmen mussten Kurzarbeitergeld anmelden, eine weltweite Reisewarnung wurde ausgesprochen, Arbeitnehmer arbeiteten im Home-Office und viele berufstätige Eltern mussten parallel die Betreuung ihrer Kinder aufgrund geschlossener Schulen und Kitas regeln. Deutschland wurde schlichtweg stillgelegt, um die Gesundheit der Bevölkerung so gut es geht zu schützen. Dies war der Beginn der größten wirtschaftlichen Krise seit Ende des 2. Weltkriegs.

Bitzumfragen bestätigen erschreckende Lage

Mitte April haben die IHKs NRW bei den Unternehmen eine Blitzumfrage zur aktuellen Lage und zu den Anforderungen an ein Wiederanlaufen aus Sicht der Wirtschaft durchgeführt. Insgesamt haben sich über 3.200 Unternehmen beteiligt, darunter zahlreiche aus der MEO-Region. Die Ergebnisse waren auf breiter Front erschreckend: Nahezu jedes dritte Unternehmen der MEO-Region rechnete zu diesem Zeitpunkt für 2020 mit einem Umsatzrückgang von mindestens 25 Prozent; weitere 22 Prozent prognostizierten ein Minus zwischen 10 und 25 Prozent. Bei gut jedem fünften
Betrieb war dies bereits existenzgefährdend; dies gilt im besonderen Maße für die Bereiche Touristik und Gastgewerbe.

IHK-Homepage also Info-Plattform zum Thema „Corona“

Seit Ausbruch der Krise war die IHK zu Essen vor allem als Ansprechpartner und Berater für die MEO-Unternehmen sehr stark gefragt. Alle relevanten Informationen sind stets aktuell auf der Startseite im Internet unter www.essen.ihk24.de abrufbar – untergliedert in mehrere Schwerpunkte, insbesondere zur Erreichbarkeit der IHK, Informationen und die Landesverordnung. Um einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Virus-Verbreitung zu leisten, wurden zudem Mitte März bundesweit alle IHK-Prüfungen abgesagt (siehe Seite 7).

IHK freut sich über Corona-Lockerungen, aber Vorsicht ist weiterhin geboten

Die Anfang Mai von der Politik beschlossene schrittweise Lockerung der Corona-Maßnahmen wurde von der IHK zu Essen sehr begrüßt. Die Entscheidung sorgte für große Erleichterung in vielen
Betrieben im Handel, in der Gastronomie-, Tourismus- und Freizeitbranche. Das Wiederanlaufen der Wirtschaft war ein erster, wichtiger Schritt und öffnet Unternehmen, Beschäftigten sowie Verbrauchern Perspektiven. (siehe dazu Seite 7).

Trotz oder gerade aufgrund der für die Wirtschaft sehr positiven, schrittweisen Lockerungen ist natürlich weiterhin Vorsicht geboten. Denn über den Berg sind Deutschland und die Welt noch bei Weitem nicht. Es gilt, die Balance zwischen dem Anlaufen der Wirtschaft sowie dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung zu halten. Dennoch ist es ein wichtiger und richtiger Schritt zu einer etwas anderen „neuen Normalität“.

Informationen und Unterstützungsangebote der IHK

Direkt zu Beginn der Corona-Krise hat die IHK eine Hotline (Tel. 0201 1892-333) mit einem 20-köpfigen Beratungsteam für ratsuchende Unternehmen in der MEO-Region geschaltet – koordiniert von Eugenia Dottai, Leiterin des Bereichs Gründung/Unternehmensförderung. Der Beratungsbedarf war und ist enorm, denn die Unternehmen sehen sich mit einer beispiellosen, in vielen Fällen existenziellen Krise konfrontiert.

Seit Schaltung am 17. März 2020 hat das Expertenteam über 5.500 Gespräche geführt. Phasenweise war der Beratungsbedarf so groß, dass die Hotline auch an Samstagen geschaltet wurde. Bei den Anfragen ging und geht es schwerpunktmäßig um finanzielle Hilfen für die Wirtschaft wie die Soforthilfe des Bundes und des Landes NRW sowie die Förderprogramme der KfW.Bank und
NRW.Bank. Neben Fragen zur Landesverordnung und zu Kurzarbeitergeld sind insbesondere auch Informationen zu erforderlichen Hygienemaßnahmen gefragt. Dabei ändern sich die Fragestellungen und die Maßnahmen in sehr kurzem Abstand. Die Gespräche unterstreichen einmal mehr die Probleme und Herausforderungen, die die IHK gemeinsam mit der regionalen Wirtschaft zu meistern hat.

Tourismus- und Veranstaltungsgewerbe braucht weiterhin Hilfe

Mit der Soforthilfe für Soloselbständige und Unternehmen bis zu 50 Beschäftigte wurde ein Programm aufgelegt, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zumindest als  Überbrückung abzufedern. Besonders betroffenen Branchen wie das Tourismus- und das Veranstaltungsgewerbe werden allerdings weitere, langfristig ausgerichtete Hilfen benötigen. Hier sind die IHKs in NRW im engen Austausch mit Banken und Politik.

Über alle weiteren aktuellen Entwicklungen und Hilfestellungen informiert die IHK tagesaktuell im Internet unter www.essen.ihk24.de sowie auf den digitalen Kanälen auf Facebook und Instagram.

Deutschlandweite Absage aller IHK-Prüfungen

Das war bisher einmalig in der Geschichte der IHK-Organisation: Am 13. März mussten die IHKs aufgrund des Corona-Virus die Zwischenprüfungen und Abschlussprüfung Teil I, die ab dem 16. März 2020 stattgefunden hätten, absagen. Ebenso die Weiterbildungsprüfungen sowie alle Sach- und Fachkundeprüfungen und Unterrichtungen. Später folgte die Absage der schriftlichen Abschlussprüfungen, die regulär Ende April/Anfang Mai stattgefunden hätten. Diese Entscheidung haben alle IHKs in Deutschland gemeinschaftlich getroffen.

Prüfungen finden wieder statt

Am 11. Mai lief das Prüfungsgeschäft wieder an – zunächst mit den praktischen, gewerblich-technischen Prüfungen, Unterrichtungen sowie Sach- und Fachkundeprüfungen. Ab dem 20. Mai folgten die mündlichen, kaufmännischen Prüfungen, ab dem 2. Juni die Weiterbildungsprüfungen. Die schriftlichen Abschlussprüfungen werden voraussichtlich ab dem 16. Juni 2020 nachgeholt. Am 16. und 17. Juni 2020 sollen dabei die industriell-technischen, am 18. und 19. Juni 2020 die kaufmännischen schriftlichen Abschlussprüfungen stattfinden. Prüfungsteilnehmer,
die im Frühjahr 2020 für ihre Abschlussprüfung Teil 1 angemeldet waren, erhalten die Möglichkeit, die Prüfung im Herbst 2020 zu absolvieren. Betroffen sind allein in der Ausbildung rund 3.300 Prüflinge in 90 Ausbildungsberufen. Bundesweit sind es 210.000 Prüflinge.

Die Organisation sowie Durchführung der verschobenen Prüfungen stellen weiterhin für alle Beteiligten eine enorme Herausforderung dar. Für die Prüfungen hat die IHK umfangreiche Maßnahmen zum Hygieneschutz für Prüfer, Aufsichten, Dozenten und Prüfungsteilnehmer umgesetzt. Auf der Homepage der IHK zu Essen unter www.essen.ihk24.de, Dok.Nr. 4718238, informiert diese weiterhin über den aktuellen Stand der Auswirkungen des Corona-Virus auf die Prüfungen.

Besonders von Corona betroffene Branchen

Die IHKs in NRW waren und sind auf Landes- und Bundesebene intensiv an Verhandlungen mit Politik, Verwaltung und Verbänden über die Möglichkeiten der Corona-Lockerungen beteiligt. Dies vor allem in den Bereichen Tourismus, Gastronomie, Freizeit- und Veranstaltungswirtschaft, Reisebüros, Handel und personenbezogene Dienstleistungen. Die Koordination politischer Maßnahmen für diese besonders durch die Krise betroffenen Branchen erfolgt durch Guido Zakrzewski, stv. Geschäftsführer der IHK zu Essen, in seiner Eigenschaft als fachpolitischer Sprecher der IHKs in NRW.

An der NRW-Blitzumfrage im April nahmen über 600 Unternehmen aus den o. g. Bereichen teil. Die Umfrage hat verdeutlicht, dass gerade diese Branchen sich in einer existenziellen Krise befinden. Darüber hinaus ließen sich aus der Befragung erste Rückschlüsse ziehen, wie ein Wiederanlaufen unter Einhaltung der erforderlichen Schutz- und Hygienemaßnahmen organisiert werden könnte.

Unternehmen sind bereit Vorkehrungen zu treffen

Weitere Ergebnisse: Die Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung gegenüber der Bevölkerung, ihren Mitarbeitern und Kunden sehr bewusst, zumal noch für einen langen Zeitraum mit gesundheitlichen Gefährdungen zu rechnen ist. Der überwiegende Teil der Betriebe signalisierte weitreichende – selbst einschränkende – Schutz- und Hygienemaßnahmen zu ergreifen. Vielfach hatten die Unternehmen bereits mit den Planungen von derartigen Maßnahmen begonnen oder diese schon umgesetzt.

Bekanntlich wurden nach der Sitzung der Ministerpräsidenten der Länder mit der Bundesregierung am 6. Mai 2020 recht weitreichende Corona-Lockerungen in NRW eingeführt. Dies wurde von der IHK zu Essen im Namen der regionalen Wirtschaft ausdrücklich begrüßt. Die vollständige Öffnung des Einzelhandels sowie die stufenweise Öffnung von Teilbereichen der Hotel- und Gaststättenbranche war für die Wirtschaft ein wichtiger Schritt zu einer „neuen Normalität“. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die Unternehmen – in Verantwortung für den Gesundheitsschutz – die erforderlichen Hygiene- und Schutzmaßnahmen umsetzen. Die IHKs in NRW haben dazu viele positive Best-Practice-Beispiele gesammelt – abrufbar unter (https://twitter.com/IHK_NRW).

IHK hält Hinwirken auf Öffnung weiter im Fokus

Das Hinwirken auf die Öffnung weiterer Branchen – insbesondere Tagungswirtschaft, personenbezogene Dienstleistungen und Reisegewerbe – haben wir als IHK-Organisation weiter im Fokus. Für das Reisegewerbe ist insbesondere die Funktionsfähigkeit öffentlicher Infrastrukturen wie bspw. der Flughäfen und der internationalen Marktbeziehungen entscheidend.

Das Wiederanlaufen des Geschäftsreiseverkehrs ist zudem eine entscheidende Grundvoraussetzung dafür, dass andere Branchen – von der Industrie bis in den Dienstleistungsbereich – wieder starten können. Ohne ein koordiniertes Wiederanlaufen der internationalen Geschäftsreisen, zumindest europaweit, können die Unternehmen vor allem ihr Neugeschäft und die Markterschließung nicht organisieren. Der auch internationale Geschäftsverkehr kann allein durch elektronische Kommunikationsmöglichkeiten nicht organisiert werden.

Online-Plattformen für Zusammenhalt und Gemeinschaft

Die Corona-Krise hat insbesondere mit der fast vollständigen Schließung von Einzelhandelsbetrieben, Gastronomie und Dienstleistungen sowie Kulturangeboten von allen – sowohl Unternehmern als auch Kunden – viel Durchhaltevermögen, Mut und Solidarität untereinander erfordert. Vor diesem Hintergrund wurden in den MEO-Städten verschiedene Internetplattformen ins Leben gerufen. Ziel: Aufmerksamkeit erzielen, weiter Umsatz generieren, am Markt bestehen, regionale Produkte fördern und nicht gegen etablierte Onlineriesen verlieren. Vom Liefer- oder Abholservice, über Onlinebestellungen im stationären Einzelhandel bis hin zu digitalen Kulturangeboten – viele Angebote der lokalen Unternehmen sind auf den einzelnen Seiten zu finden.

Wirtschaft muss zusammenhalten

Das gemeinsame Credo der Plattformen: Zusammenhalt, Gemeinsamkeit, Wir-Gefühl. Bislang haben rd. 120 Unternehmen und Dienstleister mit ihrem Portfolio auf der Plattform „Mülheim. Gemeinsam.Stark“ eingetragen. Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Corona – Essen hält zusammen“ sind es aktuell rd. 360. Und auf „Wir sind Oberhausen“ sind rd. 200 Einträge zu finden. Auch nach den Lockerungen der Öffnungseinschränkungen sind diese Plattformen eine Vermarktungschance, insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen und Dienstleister, die bisher keine eigene Internetpräsenz oder größere Reichweite hatten.

Eine besondere Herausforderung bildete für die Unternehmen die Beschaffung von Schutzausrüstungen in der erforderlichen Menge und Qualität. Die nordrhein-westfälischen IHKs haben darauf umgehend reagiert. Mit der Datenbank „PROTECT(X)“ (www.protectx.online) wurde ein umfangreiches elektronisches Lieferverzeichnis geschaffen. Mittlerweile bieten darin mehr als 500 Unternehmen Masken und Gesichtsvisiere, Schutzscheiben, Desinfektionsmittel und weitere Schutzausrüstungen an.

Soziale Medien mehr gefragt als zuvor

Darüber hinaus haben in den letzten Wochen die sozialen Medien eine noch größere Bedeutung erfahren. Wenn nicht schon im Vorfeld geschehen, nutzen zahlreiche Unternehmen und Dienstleister spätestens jetzt das Potenzial dieser Medien. Je nach Ziel- und Kundengruppe helfen digitale Plattformen wie Facebook, Instagram, Snapchat oder YouTube, um den Kontakt zu Kundinnen und Kunden aufrecht zu halten – insbesondere während der Schließung aber auch im „normalen“ Alltag. So kann über aktuelle Angebote (Lieferservice, Gutscheinprogramme, Veranstaltungen und Live-Streams, etc.) informiert und beraten werden. Für den unmittelbaren Austausch haben sich beispielsweise auch WhatsApp oder Facetime als geeignet erwiesen.

Eine Übersicht über Angebote und Plattformen der MEO-Städte unter www.essen.ihk24.de, Dok.-Nr. 4757904.

Die Pandemie meistern

Flexibilität ist Trumpf – betriebliche Abläufe müssen geändert, neue Ideen entwickelt und die entstandenen Konzepte vermarktet werden. Die Unternehmenden der MEO-Region stellen sich der neuen Herausforderung und gehen mit viel Mut und Kreativität neue Wege: Vom Lieferservice über Videoweiterbildung bis zum digitalen Tanzkurs ist alles dabei.

Folgende Unternehmen erzählen, wie sie den Weg durch die Krise erlebt haben: