Martin Lehnert hat sich mit seiner Firma good-stuff deco vor 40 Jahren den Traum von der Selbstständigkeit erfüllt. Der umtriebige Dekorateur stattet seine Kunden Veranstaltungen, Feste, Schaufenster und Einkaufszentren in ganz Deutschland aus.

Seit mehr als 40 Jahren nach dem selben Prinzip

Am Schreibtisch sitzen und in Gedanken die Welt seiner Kunden verschönern, das macht der Essener Dekorateur bei der Planung am liebsten. Erst nachdem das Grobkonzept steht, streift er durch die Räume seiner Schatzhöhle, eines alten Industriekomplexes am ehemaligen Standort von Coca-Cola. Wenn er dann die ersten Teile für die anstehende Deko kombiniert und ausprobiert, entstehen immer wieder neue, spannende und inspirierende Kreationen. „Man muss die Sachen anfassen und auf sich wirken lassen.“

Darum nimmt Lehnert seine Ideen und Materialien auch mit, wenn er zur Präsentation fährt. „Wenn der Kunde die Dinge sehen und anfassen kann, ist es viel einfacher ihn zu gewinnen. Er weiß was er bekommt und auch ob es seinem Stil und Geschmack entspricht. „Wie letztlich die finale Dekoration aussieht, ergibt sich später beim Aufbau, da lege ich mich auch nicht fest. Aber die Kunden vertrauen mir und in 99 % aller Fälle klappt es so sehr gut.“ Und das schon seit mehr als 40 Jahren.

Der Teamgeist zählt

Egal, ob Schaufenster im Friseur- oder Kosmetikbereich, Modenschau oder Einkaufzentrum, jedes Projekt wird individuell vorbereitet und umgesetzt. Bei großen und aufwändigen Dekorationen holt er sich ein erprobtes Team dazu. Dann wird gemeinsam am „round table“ über Prototypen, Farben. Höhenmeter und Montagemöglichkeiten diskutiert. „Auf meine Leute kann ich mich einfach verlassen. Wir arbeiten schon seit Jahren zusammen. Alle sind vom Fach und wissen was sie tun.“

Kinder sind anspruchsvolle Kunden

Eine Kinderbaustelle in der Rathaus-Galerie war auch so ein anspruchsvolles Projekt. Eine Hausfassade bauen, Gerüst aufstellen, viel Sand, Minibagger, Kran, Handschuhe und Helme für die kleinen Bauarbeiter. Beim Kinderevent gab es nicht nur leuchtende Kinderaugen, auch der Centermanager und seine Crew waren so begeistert, dass das Sommerprojekt noch zweimal in die Wiederholung ging. Erfolgsrezepte, die ihn freuen. Überhaupt, wenn eine Idee sich umsetzen lässt und den Kunden begeistert, ist auch Martin Lehnert zufrieden.

Kreativität ist nicht abrufbar

Seine Ideen kommen ihm überall. Ob im Urlaub, beim Stöbern in Fachzeitschriften oder auf den vielen großen Deko-Trendmessen, wie der Christmas World, Tendence, Ambiente in Frankfurt oder einfach in seinem Lager. Jeden Monat müssen neue Produkte hinzugekauft werden, um Trends umzusetzen. „Wenn ich einen neuen Auftrag habe, dann arbeitet es sofort in mir. Kreativität lässt sich nicht stoppen oder terminieren“, lacht Martin Lehnert, während er für die nächste Schaufensterdeko verschiedene Materialien ausprobiert.

Corona ist auch hier zu spüren

1998 kam das Centro in Oberhausen auf ihn zu. Und danach waren es so einige weitere Center, die anklopften. Noch heute betreut er verschiedene Einkaufscenter in NRW und sogar von Frankfurt bis Flensburg. „Ich freue mich immer schon drauf, wieder in den Norden zu fahren. Eine tolle Ecke, die wir nach getaner Arbeit auch zu genießen wissen“. Normalerweise würde er jetzt schon in den Centren das Weihnachtsmaterial sichten, Kugeln putzen und LEDs kontrollieren. Aber dieses Jahr ist durch Corona alles anders. Alle Center warten die weitere Entwicklung ab. „Ich bin wirklich gespannt ob und wann es wieder losgeht“. Er ist auf jeden Fall bereit.

Selbst in der Krise für den Kunden da

Überhaupt ist er ein umtriebiger Mensch. Als der Einzelhandel während der Corona-Krise brach lag, hat er motivierende Flyer drucken lassen, seine Kunden angerufen und abgeklappert. „Ich habe für die, die sich schnell wieder aufstellen wollten, Plexigläser für Trennwände besorgt, und geschaut, wie ich sonst noch unterstützen kann.“ Denn so einer ist er auch. Er fühlt sich verantwortlich für seine Kunden und auch für den Einzelhandel in seiner Heimatstadt.

Job ist vom „Aussterben“ bedroht

Sein Metier als Schauwerbegestalter lernte er bei Wertheim. Das am Essener Kennedyplatz gelegene Kaufhaus wurde 1986 abgerissen. Der Niedergang des Einzelhandels bereitet ihm Sorge. „Mit dem Einzelhandel verschwinden auch die Dekorateure. Ich bin einer der letzten `Schmücker´ hier in Essen.“ Dabei sieht er durchaus wachsenden Bedarf. „Gerade in und nach Corona muss der Einzelhandel sich wertig und ansprechend präsentieren“. Daher hat er auch schon eine neue Idee: Beratungen für den Handel, nicht nur in Bezug auf Deko. „Ich sehe Vieles im Laden, das der Eigentümer gar nicht mehr wahrnimmt und Kunden kostet, die sich nicht wohlfühlen. Oder der Laden spricht in seiner Außendarstellung die falsche Zielgruppe an, oder Interior und Deko sind nicht stimmig.

Kunden mehr Wohlgefühl geben

Da kann man mit Kleinigkeiten schon enorm viel verbessern und dem Kunden mehr Wohlgefühl geben. Das beginnt mit der akkuraten Hängung von ansprechenden Bildern, über den passenden Radiosender, hin zum Entsorgen des überfüllten Schirmständer mit Fundstücken der letzten Jahre. Wenn der Kaffee nicht schmeckt und mein Gegenüber nach der letzten Zigarette riecht, dann verliert man einfach Kunden.“ Martin Lehnert mag es gerne stimmig. Dafür steht er ein, frei nach seinem Motto: wir machen die Welt täglich etwas schöner!

Simone Stachelhaus