Hochzeiten kommen langsam wieder in Mode – auch in der MEO-Region: 4.092 Paare sagten 2017 „Ja“, bevorzugt von Mai bis September und besonders gerne auf Schloss Oberhausen, Schloss Borbeck, im Mülheimer Rathaus oder im Essener Gildehof. Kaum ein privates Event wird so lange und gründlich geplant, wie die eigene Hochzeit. Ist die Gästeliste angefertigt, die Location gebucht und das Menü zusammengestellt, geht es an all die Details, die den Hochzeitstag einzigartig, unvergesslich und perfekt machen sollen. Dafür werden im Schnitt zwischen 15.000 und 20.000 Euro investiert – Kosten in Höhe eines Kleinwagens. Beflügelt durch die sozialen Medien, Internet-Blogs und einschlägige TV-Formate, gibt es Inspirationen in Hülle und Fülle. Gut beraten, wer sich bei der Vielzahl an Möglichkeiten und Aufgaben kompetente Hilfe sucht: Profis in Sachen Hochzeit sozusagen.

Träume in „weiß“

Für die optimale Robe sorgt das Team von Brautmoden Horn in der Essener Innenstadt. Auf zwei Etagen stehen rund 600 Brautkleider und 400 Anzüge zur Auswahl. Und kein Kleid gleicht dem anderen. Bis zu 6 Kilogramm schwere Stoff-Kunstwerke mit Schleppe, Strass-Steinchen, Spitzenverzierungen und gehäkelten Bordüren strahlen mit fluffig leichten Kleidern im Vintage-Stil um die Wette. 1.400 Euro lassen sich die Frauen ihr Traumkleid im Schnitt bei Brautmoden Horn kosten. Viel Geld für ein Kleid, das normalerweise nur einmal getragen wird.

„Paare – insbesondere Frauen – geben wieder deutlich mehr Geld für ihre Bekleidung aus; diese Entwicklung beobachten wir seit knapp 3 Jahren. Einige Kundinnen kommen später wieder zu uns und lassen ihr Kleid umnähen oder kürzen, so dass sie es zu anderen Anlässen erneut tragen können“, erklärt Inhaberin Iris Kleine-Möllhoff. Besonders gefragt sind schmale Vintage-Kleider in Ivory, oder cremefarben, aus edlen Stoffen und mit viel Spitze. „Ganz in weiß“ – einst die Trendfarbe in der Brautmode – wird hingegen kaum noch gewünscht.

Am Jahresanfang ist viel los!

In den Monaten Januar bis März herrscht besonders viel emsiges Treiben: In keiner anderen Zeit werden so viele Brautkleider verkauft wie in diesen 3 Monaten. „Das liegt daran, dass die Mehrheit der Paare zwischen Mai und September heiratet und die Lieferzeit für ein Kleid, das wir nicht in der passenden Größe vorrätig lagern, zwischen 3 bis 6 Monate beträgt. Daher beginnt die Suche nach einem Brautkleid Anfang des Jahres“, so Iris Kleine-Möllhoff. Doch auch danach wartet jede Menge Arbeit auf sie. Denn sobald die Kleider vor Ort sind, beginnt ab April die Änderungsphase. Und ab Herbst stehen Messen in Bochum und Düsseldorf an. Die im Januar in Essen stattfindende Hochzeitsmesse wird von Brautmoden Horn organisiert, danach steht die Teilnahme an weiteren Messen im Terminkalender.

Dennoch: Die in anderen Fachgeschäften übliche Online-Terminbuchung zur Kleideranprobe hat sie nach schlechter Erfahrung wieder abgeschafft: „Bräute schauen sich ja meistens in mehreren Geschäften um, was auch völlig legitim ist. Leider kam es aber immer häufiger vor, dass vereinbarte Termine nicht eingehalten wurden, ohne sie zu stornieren. So entstehen dann an hoch frequentierten Tagen zwar Wartezeiten von bis zu 2 Stunden. Aber wir nehmen uns für alle Kunden die angemessene Zeit, um individuell beraten zu können.“

Dafür stehen nicht nur die Fachkräfte zur Seite – viele Bräute kommen mit bis zu sechs Begleiterinnen. Das kann bedeuten: 7 Frauen = 7 Meinungen, was die Wahl mitunter nicht leichter macht. Wenn dann noch die Braut aus der Nachbarkabine mit demselben Kleid liebäugelt, bricht auch schon mal Nervosität aus. Die Brautmodenexperten nehmen es gelassen: „Unsere Arbeit verlangt Fingerspitzengefühl – und das im wahrsten Sinne. So benutzen unsere Kundinnen und ihre Begleiterinnen Handschuhe, wenn sie sich die Kleider anschauen. Manchmal braucht es mehrere Anläufe, bis eine enge Auswahl getroffen wurde. Doch der Anblick einer strahlenden Frau in ihrem Traumkleid ist so schön, das ist jede Mühe wert.“

Gut geplant ist halb verheiratet

„Vintage, immer wieder Vintage. Den Trend, der Modernes mit Nostalgie und Romantik verbindet, mit einem Hauch von Flohmarkt, wünschen sich 80 Prozent der Paare als Motto für ihre Hochzeit. Das spiegelt sich in Kleid, Location und Dekoration wider: Hauptsache Retro. Und das wird auch die nächsten Jahre so bleiben“, betont Weddingplanerin Marina Ochwald. „Ultra Violet ist die Farbe des Jahres 2018 – und ich bin sicher, dass sich viele Paare bei der Gestaltung daran orientieren werden.“ Die Frau muss es wissen: Hochzeiten sind schließlich ihr Geschäft.

Nach ihrem Studium des International Hospitality Management war sie im oberen Hotelmanagement tätig; hier hat sie auch mehrere Jahre Berufserfahrung im In- und Ausland gesammelt. „Allerdings blieb dort zu wenig Raum für Kreativität und berufliche Weiterentwicklung. Und da ich sowohl meine eigene Hochzeit als auch die von Freunden und Bekannten mit viel Herzblut organisiert hatte, kam eins zum anderen: Ich wagte den Schritt in die Selbstständigkeit als Hochzeitsplanerin“, erinnert sie sich.

Das Kennenlerngespräch ist entscheidend!

Seit 2014 ist sie u. a. zertifizierte IHK-Eventmanagerin für Hochzeiten und betreibt seit 2015 „Infinity Weddings“. „Ich liebe meine Arbeit und bin jedes Mal ein bisschen aufgeregt, wenn ich ein neues Paar treffe“, erklärt sie. Denn bevor eine Zusammenarbeit zustande kommt, zählen der erste Eindruck und die Frage: Stimmt die Chemie? „Das Kennlerngespräch findet in der Regel in meinem Büro statt und ist kostenfrei. Mir ist wichtig, dass man sich sympathisch ist, da ich die Paare ein gutes halbes Jahr begleite.“ Mithilfe eines Fragebogens tastet sich die Hochzeitsplanerin an die Wünsche und Vorstellungen des Paares heran:

  • Wie viele Gäste sind eingeladen?
  • Wo findet die Trauung statt?
  • Gibt es schon einen Ort für die Festlichkeiten?
  • Und schließlich ist das Persönliche eine wichtige Hilfe für die spätere Organisation: Welche Musik hören sie gerne?
  • Gibt es Lieblingsfarben oder ein Motto, das sich wiederfinden soll?

Marina Ochwalds Aufgabe besteht darin, mittels dieser Angaben und ihrer persönlichen Einschätzung einen roten Faden zu entwerfen. „Ich nehme die Brautpaare an die Hand und begleite sie zum wichtigsten Tag ihres Lebens, um ihnen jeglichen Organisationsstress zu nehmen“, erklärt sie.

Auch für Paare, die mit Hund heiraten möchten, bietet sie besonderen Service und Tipps an. Sind die wichtigen Details geklärt, sucht sie aus ihrem Netzwerk – mit mehr als 25 Partnern – passende Dienstleister heraus. So weiß sie z. B. sofort, welcher Fotograf für besonders ausgefallene, exotische Motive in Frage kommt. Oder welche Firma sie hinzuzieht für besonders edle Gastgeschenke. „‘Gast-was?‘ fragte mich damals meine Mutter, als ich ihr davon berichtete“, erinnert sich Marina Ochwald. „Ja, die gab es zu Zeiten unserer Eltern und Großeltern nicht, da war die Einladung zur Feier das Geschenk. Aber heute wird eben anders geheiratet.“

Um stets auf dem aktuellen Trend zu sein, ist sie häufig auf Hochzeitsmessen und anderen Veranstaltungen zu Gast, bewegt sich in Internetforen und führt selbst einen Blog. Anfang des Jahres war sie auf der kleinen Hochzeitsausstellung in Essen-Rüttenscheid „Individuelles & Schönes für Euren schönsten Tag im Leben“. Sie schwärmt: „Anders als in großen Messehallen war hier ein richtig schönes, familiäres Flair, mit kreativen Angeboten für eine besondere Hochzeit.“

Für jeden Kopf den richtigen „Deckel“

Vor Ort war auch Ulrike Strelow, Geschäftsführerin der Hutmanufaktur, die, zusammen mit 15 weiteren Ateliers und Dienstleistern, ihre Waren in Rüttenscheid ausstellte. Insgesamt 600 Besucher nutzten die Gelegenheit, sich über selbstgeschneiderte Brautkleider, Törtchen als Kunstwerke, ausgefallene Einladungskarten oder das passende Make-up beraten zu lassen: Hauptsache individuell.

Bräute, die die erste Hürde genommen und ihr Traumkleid gefunden haben, finden bei Modistinmeisterin Ulrike Strelow das i-Tüpfelchen: eine Kopfbedeckung. Wer denkt, kein Mützengesicht zu haben und nichts zu finden, wird hier eines Besseren belehrt. Mehr als 200 verschiedene Hüte, Mützen, Kappen, Kopfschmuckvariationen und Fascinator in allen Farben und Formen – mit Schleier, Blüten oder Federn – machen die Inneneinrichtung zu einem wahren Blickfang. Alles in Handarbeit entworfen von der Chefin und ihrer Auszubildenden Monique Stahl. Wer unter der bestehenden Kollektion nicht fündig wird, bekommt – je nach Material und Aufwand – innerhalb von zwei Wochen eine Maßanfertigung.

Filigrane Hochzeitstrends

Im Hochzeitstrend liegen – wie sollte es anders sein – Vintage- oder Boho-Fascinator und -Kappen mit Blümchen und filigranen Verzierungen. Doch bevor eine Auswahl getroffen wird, steht die Frage nach dem Kleid im Raum. „Wenn das Kleid bereits vorhanden ist, fragen wir nach Stoff und Stil. Ist es eine schlichtgehaltene A-Linie oder ein Kleid mit Reifrock und Rüschen und viel Tüll?“ Dies sei wichtig, um Kopf und Körper nicht in Konkurrenz treten zu lassen, erklärt die Modistin. „Vor ein paar Jahren war der Winter unsere Hauptverkaufssaison. Aber das hat sich geändert; inzwischen kommen im Frühjahr und Sommer genauso viele Kunden. Besonders gefragt sind Hüte für festliche Anlässe in allen denkbaren Varianten. Und dann sagen uns viele Kunden: Wenn Hut, dann extravagant.“

Den royalen Hochzeiten sei Dank, denn hier liegt für sie ein wichtiger Zusammenhang. „Ein Etuikleid mit Pumps ist im ersten Augenblick eine klassische Kombination für das Büro. Mit dem richtigen Accessoire auf dem Kopf wirkt sie im Handumdrehen festlich und elegant. So tragen es auch weibliche Mitglieder der Königsfamilien oder deren Hochzeitsgäste immer häufiger“, erklärt die Geschäftsfrau, die sich im Jahr 2000 selbstständig gemacht hat. Seit einiger Zeit beobachten sie und ihre Auszubildende auch die Rückkehr eines bekannten Brauchs: Sich verloben. Und so sei es für sie nicht verwunderlich, dass viele Paare im Schnitt 1,5 Jahre vor dem Hochzeitstermin mit der Planung beginnen.

Das Glück ist eine runde Sache

Diesen Eindruck teilt auch Mechthild Lüttgen, Mitinhaberin von Juwelier Lüttgen: „Seit zwei, drei Jahren verkaufen wir wieder deutlich mehr Verlobungs- und Trauringe. Offenbar ziehen Paare es wieder vor, einen Ring als Symbol ihrer verbindlichen Beziehung zu tragen.“ Ob Gold, Silber, Titan, Platin oder Edelstahl, ob mit oder ohne Stein, ob zwei gleiche Ringe oder ein Paar-Set – die Auswahl an Trauringen ist groß in dem Familienunternehmen, das zwei Filialen in Mülheim an der Ruhr und eine in Hattingen betreibt.

„Beratungsgespräche über Trauringe machen mir besonders viel Freude“, so Mechthild Lüttgen. „Die Paare kommen mit großer Vorfreude zu uns, denn es steht ihnen etwas Schönes bevor. Und wenn wir dann die passenden Ringe gefunden haben, gehen sie mit einem Strahlen aus unserem Geschäft. Das ist bei anderen Kunden, die sich eine Halskette oder eine Uhr kaufen, natürlich auch so, denn man hat sich selbst ja etwas Gutes getan. Aber die Freude der Brautpaare übertrifft das einfach.“

Das Material macht’s

Darüber hinaus kann die Juwelierin eingehend über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Materialien beraten – für sie ein wichtiger Bestandteil ihres Berufes und klarer Vorteil dem Online-Handel gegenüber. Was vielen dadurch erst bewusst wird: Titan und Edelstahl sind sehr leichte Materialien, lösen keine Allergien aus und sind deutlich günstiger als Silber und Gold. Diese lassen sich wiederum verändern, sollte der Ring mal nicht mehr passen. Das funktioniert bei Titan und Edelstahl nur im minimalen Bereich um höchstens eine Ringgröße.

„Einige Kunden haben noch gar keine Vorstellung über ihre Ringe und die lassen sich dann gerne über die unterschiedlichen Materialeigenschaften beraten.“ Wer Gold bevorzugt, muss tiefer in die Tasche greifen. „Früher wurden ausschließlich Eheringe aus Gold getragen, aber heute dominiert die Vielfalt. Und goldene Ringe sind nicht günstig – bei uns liegen die Kosten im Schnitt bei 1.500 Euro. Die Mehrheit unserer Kunden kauft allerdings Ringe aus Weißgold. Damit wird Gold bezeichnet, dem mit Hilfe von Silber, Chrom oder Platinmetallen die eigentliche Goldfarbe entzogen wird, um eine silbrige Farbgebung des Edelmetalls zu erzeugen“, erklärt die Juwelierin. „Täglich getragene Ringe sollten aus hochwertigem Material sein, damit diese lange schön bleiben und sich wenig abnutzen.“

DJ lässt die Funken sprühen

Brodelnde Tanzflächen, Fotos für die Ewigkeit und pompöse Feuerwerke: Dennis Weiler lässt es krachen. Und das im wahrsten Sinne. Der gelernte Bürokaufmann, ehemalige Vertriebsleiter, freiberufliche DJ und staatlich geprüfte Pyrotechniker machte sich Anfang 2016 mit der Firma „Eventall“ in Mülheim selbstständig – von Beginn an mit dem Ziel, einen Hochzeits-Full-Service anzubieten. Unter dem Namen „STAR Wedding“ vermietet er moderne Licht- und Tontechnik, Catering-Zubehör, Fotoboxen, vermittelt Hochzeits-DJs und andere Musiker und entfacht Feuerwerke. Getreu seiner Philosophie „Nichts ist unmöglich“ sorgt er dafür, dass Hochzeiten zu einem echten Event werden – für Romantiker und Partylöwen gleichermaßen.

„In meinen ersten Jahren als DJ habe ich in Großraumdiskos vor bis zu 4.000 Gästen gespielt und war in ganz Deutschland unterwegs. Allein hier im Ruhrgebiet haben wir so viele Aufträge, dass ich das heute aus Zeitgründen kaum noch machen kann.“ So sind Buchungen ein Jahr im Voraus nicht nur ungewöhnlich, sondern inzwischen ratsam. „Es kommt natürlich auf das Gesamtpaket der Dienstleistungen an. Eine Fotobox, die innerhalb von wenigen Minuten auf- und abgebaut ist, können wir in der Regel kurzfristig bereitstellen.“

Sein Lager umfasst einen Warenbestand im Wert von 300.000 Euro. Dazu gehören Hussen, Bartische, Boxen, Scheinwerfer und Leinwände – eben alles für die perfekte Party. Und da in der Hochsaison mehrere Hochzeiten an einem Wochenende stattfinden, wurde das Equipment nach und nach in Modulbauweise perfektioniert und kann so innerhalb kürzester Zeit transportsicher zerlegt werden.

Schnell sein lohnt sich!

Die Hochzeits-DJs sind für dieses Jahr schon fast ausgebucht. Und auch der Terminkalender von Dennis Weiler ist für dieses Jahr so gut wie voll, denn neben der Geschäftsführung stellt er sich selbst gerne hinter das Mischpult. „Aber bevor ich – oder ein Kollege – auf einer Hochzeit Musik auflege, lerne ich das Paar ungefähr ein halbes Jahr vor dem Hochzeitstermin kennen. Der persönliche Kontakt ist mir sehr wichtig, denn nur so klären wir Details wie Musikwünsche“, so Dennis Weiler.

„Ein guter Hochzeits-DJ muss – anders als ein Club-DJ – den eigenen künstlerischen Anspruch zurückstellen und Musik auflegen, die den Gästen gefällt. Auch, wenn es mitunter nicht dem eigenen Geschmack entspricht“, erklärt er. „Scan die Leute“ lautet daher sein Tipp, wenn er neue Kollegen einarbeitet. „Die Gäste sind der Mittelpunkt, für sie spielen wir – wenn gewünscht – auch Heavy Metal oder albanische Folklore. Am beliebtesten ist eine gute Mischung aus Charts, RnB, 80ern und Schlagern – zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Reihenfolge. Dann hält es niemanden mehr auf seinem Platz“, lacht der Geschäftsmann.

„Im Schnitt geben die Paare bei uns 900 Euro aus, da sie neben dem DJ noch eine Fotobox oder ein Feuerwerk buchen“, erklärt der Geschäftsmann mit Blick auf seine jüngsten Errungenschaften: ein Indoor-Feuerwerk mit Titangranulat und eine Luxus-Limousine, die er zusammen mit Chauffeur für Hochzeitsfahrten vermietet.

Für jede Tour das richtige Gefährt

Noch mehr Platz für die Fahrt ins Glück gibt es bei Dirk Vierus. In Oberhausen betreibt er die Autovermietung „Florida Exklusiv Cars“ mit 25 Stretch-Limousinen, Oldtimer-Klassikern, Partybussen und Exoten. „Jedes Fahrzeug ist anders, deshalb vermiete ich nur mit Fahrer. Nur so kann ich für die Sicherheit der Gäste – und die meiner Autos – garantieren“, erklärt der Inhaber. Denn die werden nicht nur für Hochzeitsfahrten gebucht, sondern auch für Geburtstags- und Abi-Abschlussfeiern oder Junggesellenabschiede.

Speziell dafür hat er ehemalige gelbe US-Schulbusse für 34 Fahrgäste umfunktioniert, inklusive Theken- und Musikanlagenbereich. „Die Gruppen werden dann zusätzlich von einer Servicekraft begleitet, die während der Fahrt für Getränke und Musik sorgt.“ Der Liebling unter den rollenden Diskos ist der pinke Partybus. Er bietet Platz für 16 Personen und ist mit einigen spielerischen Extras versehen, wie z. B. eine verspiegelte Innentür und ein Flachbildfernseher mit Multi-Media-Bereich als Heckscheibe – eben alles für die große Sause auf 4 Rädern.

Dirk Vierus verfügt über alle erforderlichen Führerscheine und setzt sich gelegentlich auch selbst ans Steuer. Allerdings nur in der Nebensaison oder in Ausnahmen, wenn er für einen Fahrer einspringt. In der Hauptsaison von April bis September bleibt er in seinem Oberhausener Büro, um Buchungs- und Werkstatttermine zu koordinieren. „Im Moment ist es zwar noch ruhig, aber die Vermietung – speziell für Hochzeiten – läuft auf Hochtouren. In den Frühjahrs- und Sommermonaten haben wir in diesem Jahr nur noch wenige freie Kapazitäten für Fahreinsätze. Um besser planen zu können, bleiben wir in einem maximalen Radius von 100 Kilometern.“

Vom Hobby zum Erfolgsmodell

Was 2002 als Hobby mit Limousinen-Vermietung im kleinen Rahmen begann, entwickelte sich schon kurze Zeit später zu einem Erfolgsmodell. „Bereits 2003, also ein Jahr nach der Firmengründung, war das Interesse so groß, dass ich mein Geschäft stetig ausgebaut habe: Hinzu kamen schließlich der Import und Verkauf von Limousinen sowie der Handel mit Ersatzteilen“, erinnert sich der Geschäftsführer.

„In 50 Prozent der Fälle vermiete ich meine Fahrzeuge – verziert mit Schleifenbändchen und Blumendekoration – für Hochzeiten. Das heißt, wir holen die Paare von zu Hause, dem Standesamt oder der Kirche ab und bringen sie zum Ort der Feier. Besonders begehrt ist der pinke Lincoln Town Car mit einer Gesamtlänge von 8,50 Meter und Platz für acht Personen – Glitzer und Glamour eben“, schmunzelt Dirk Vierus.

Zu seinen Schätzen gehören auch die Excalibur Super-Stretch-Limousine aus den 1980ern – ein echtes Unikat unter den Riesen – und der 50 Jahre alte Citroën DS. Eine Legende, in dem sich bereits Charles de Gaulle durch Frankreich chauffieren ließ. Welches Auto jetzt noch fehlt? „Ganz klar: Ein Hybrid- oder Elektroauto, denn hier liegt die Zukunft“, betont er mit Anspielung auf die erste Tesla-Limousine in den USA – leise in Richtung Ehehafen sozusagen.

Himmlisches Hochzeitsvergnügen

Milena Gildensterns Element ist die Luft. Ob weiße Täubchen oder Helium-Ballons in Form von Herzen, Sternen oder Brautpaaren: die Inhaberin vom Hochzeitsservice „Sternschnuppe“ lässt alle fliegen. Aus Liebe zur Organisation von Feten und Partys, mit kreativen Ideen im Kopf und einem Businessplan in der Tasche, machte sie sich vor 7 Jahren als Hochzeitsplanerin selbstständig. „Aber es hat sich gezeigt, dass bestimmte Bereiche stärker nachgefragt waren: z. B. Sektempfänge vor dem Standesamt oder der Kirche, Hochzeitstauben fliegen lassen und der Ballonservice. Dadurch fehlte die Zeit für Hochzeitsorganisationen im vollen Umfang“, erklärt sie.

Anders als anfangs geplant, begleitet sie Brautpaare also nicht mehr von A-Z, sondern springt immer dann ein, wenn bestimmte Programmpunkte ausgelagert werden sollen. Durch ihren Service können Familienmitglieder, die sich sonst um diese Aufgaben kümmern würden, an der Trauung teilnehmen. So sorgt sie für

  • ausreichende Mengen Sekt und
  • kümmert sich um die allgemeine Organisation,
  • Aufräumarbeiten,
  • Kühlung der Getränke
  • sowie Bedienung und Bereitstellung von Stehtischen mit weißen Hussen.

„Ich wollte meine Leistungen so gestalten, dass man diese Aufgaben für den Preis lieber durch einen Service durchführen lässt – und das kommt sehr gut an.“

Hochzeitstauben als Symbol für Frieden, Treue und ewigwährende Liebe

Besonders beliebt sind ihre 30 Hochzeitstauben, die sie von drei Züchtern erhält – je nach dem in welcher Region die Hochzeit stattfindet. Der Zufall brachte sie auf die Idee: Noch im ersten Jahr ihrer Selbstständigkeit holte sie auf Wunsch eines Paares weiße Tauben beim Züchter ab, um sie zum richtigen Zeitpunkt aus dem Käfig in die Luft steigen zu lassen. Die Idee setzte sich fest, Hochzeitstauben in ihren Berufsalltag zu integrieren – zusammen mit einem selbst kreierten Herzkäfig. Schließlich wünschten sich immer mehr Paare diesen Teil einer romantischen Inszenierung: Als Symbol für Frieden, Treue und ewigwährende Liebe.

Der Einsatz von Tauben ist nicht unumstritten, wie Gildenstern zugibt. Darum gibt es feste Prinzipien, über die sie die Brautpaare vorab aufklärt: Tauben-Saison ist von Mai bis September und geflogen wird nur, wenn es trocken ist und die Sonne scheint. Inzwischen ist die Nachfrage so groß, dass sie an den Wochenenden in ganz NRW unterwegs ist – je nach Entfernung und Umfang auf zwei bis drei Hochzeiten.

Als Alternative bei schlechtem Wetter kam ihr die Idee mit den Helium-Ballons: Eine große Auswahl zeigt sie in ihrem Laden in Oberhausen-Sterkrade, den sie seit ein paar Jahren betreibt. So schmückt sie damit nicht nur Hochzeiten, sondern auch Junggesellenpartys, Abiturfeiern oder Geburtstage. Sie ist überzeugt: „Wer sich heute traut, der traut sich auch was, denn müssen muss man ja nicht mehr. Wer heute heiratet, der will es wirklich! Ohne Druck und gesellschaftliche Erwartungen, sondern aus Glaube an die ewige Liebe.“

Die Blumenflüsterin

Wenngleich viele neue Entwicklungen die Hochzeitswelt bestimmen, eines ist geblieben: als Symbol für die Liebe gehört die Rose in nahezu jeden Brautstrauß. Kombiniert mit Hortensie, dem wieder entdeckten Schleierkraut, Schmuckbändchen aus Spitze und Perlen, alles in rosa-weiß – „und fertig ist der beliebteste florale Brautbegleiter in 2017“, lächelt Floristin Tanja Gilles. „Hoch im Kurs liegen aber auch Wald-und-Wiesen-Sträuße, die wie selbst gepflückt aussehen – Hauptsache Vintage.“

Mit Blumen kennt sich die Unternehmerin sehr gut aus: Nach 20-jähriger Berufserfahrung und Geschäftsführung hat sie sich Anfang 2013 als Hochzeitsfloristin selbstständig gemacht. Seitdem entwirft sie Brautsträuße, Brautjungfernsträuße, Tischgedecke und dekoriert komplette Hochzeitslocation.

Dafür zahlen ihre Kunden im Schnitt 300 bis 400 Euro. „Es ist nicht leicht, sich in der Branche zu behaupten, denn die Konkurrenz durch Kunstblumen ist sehr groß. Viele sind nicht mehr bereit, Geld für etwas auszugeben, das nach ein paar Tagen entsorgt werden muss“, erklärt die Geschäftsfrau. Im Hochzeitstrend liegen Seidenblumen, die kein Verfallsdatum haben und zum Teil so gut gemacht sind, dass sie sich von ihren echten Artverwandten kaum unterscheiden.

Tanja Gilles lässt sich davon nicht entmutigen. In ihrem Keller hat sie eine Werkstatt eingerichtet, in der sie sich unabhängig von Ladenöffnungszeiten kreativ ausleben kann. „Mir macht die Arbeit riesigen Spaß, ich liebe es, kreativ zu sein und Hochzeiten waren schon mein Tätigkeitsschwerpunkt, als ich noch im Geschäft angestellt war. Umso schöner ist es, dass ich mich heute zu 100 Prozent darauf konzentrieren kann.“

Die Kreativität zählt

Inzwischen hat sie auch ein dichtes Dienstleisternetzwerk aus 15 Personen, die sie alle persönlich kennt und weiterempfehlen kann. Ein sehr vertrauensvolles Verhältnis pflegt sie auch zu ihrem Blumenhändler in den Niederlanden. „Wir kennen uns seit vielen Jahren und ich weiß genau, dass seine Lieferungen immer frisch sind und ich mich auf die Qualität seiner Ware verlassen kann.“ So bekommt sie, wenn gewünscht, auch gefärbte Blumen. „Dieses Jahr werden Brautsträuße in Ultra Violet, Gold, Silber, Bronze und Mint gefragt sein. Da ist viel Kreativität gefragt“, freut sich Tanja Gilles. Brautsträuße werden in der Regel am Tag der Hochzeit abgeholt oder – wenn gewünscht – von ihr geliefert, maximal aber einen Tag vorher. Die Floristin erklärt genau, wie die Sträuße bis zum großen Moment frisch bleiben.

Im April beginnt wieder die arbeitsintensive Zeit, dann betreut sie am Wochenende ein bis zwei Hochzeiten. Eine Stunde braucht sie für den perfekten Brautstrauß, vier bis fünf für die Dekoration der Räumlichkeiten. Tanja Gilles freut sich darauf, denn: „Jede Hochzeit hat ihren eigenen Charme.“