IHK-Handlungsprogramm“MEO 2030+ Aufbruch in die Zukunft – Wir bleiben dran!“

Auf der diesjährigen Jahrespressekonferenz der IHK zu Essen wurde das neue Handlungsprogramm „MEO 2030+ Aufbruch in die Zukunft – Wir bleiben dran!“ vorgestellt. „Wir möchten Impulse geben und Diskussionen anstoßen“, so die IHK-Präsidentin Jutta Kruft-Lohrengel. Dafür wurden die Vollversammlungsmitglieder nach den wichtigsten Zukunftsthemen befragt, die in den Prozess eingeflossen sind. „In 12 Themenfeldern beschreibt das Papier jeweils die aktuelle Lage und zeigt, mit welchen konkreten Ansätzen den drängenden Herausforderungen begegnet werden sollte – und was wir als IHK beitragen“.

Fachkräftesicherung weiterhin wichtig

Ein wichtiges Thema des Handlungsprogramms ist das Thema Fachkräftesicherung. Bei der IHK-Konjunkturumfrage zu Beginn des Jahres sah jedes zweite Mitgliedsunternehmen darin ein Risiko für seine wirtschaftliche Entwicklung. Ein negativer Spitzenwert seit 2010. Der Rückgang der Zahlen der Schulabgänger und -abgängerinnen und der Trend zu akademischen Qualifizierungswegen und Abschlüssen seien nur ein paar Gründe. „Insbesondere Letzteres muss gebremst werden. Hier ist die Zusammenarbeit aller Akteure – also Staat, Schulen, Wirtschaft und Medien – notwendig, damit die berufliche Bildung als gleichwertiger und attraktiver Bildungsweg wahrgenommen wird“, fordert Kruft-Lohrengel. „Gefragt sind Kreativität und gezielte Aktionen. Lippenbekenntnisse bringen wenig, wenn keine konkreten Taten folgen.“

Zahl der Ausbildungsverträge vergleichbar mit dem Vorjahr

Die Lage am Ausbildungsmarkt ist stabil: Insgesamt wurden bis Ende Mai 1.553 Ausbildungsverträge bei der IHK neu geschlossen, das ist zurzeit rund 1 Prozent weniger als im Vorjahr. Insgesamt sind 7.248 Verträge eingetragen. Nichtsdestotrotz ist noch viel Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt: „Derzeit ist erst gut die Hälfte der üblicherweise zum Ende des Ausbildungsjahres bei uns registrierten Verträge eingetragen, wir erwarten zum Stichtag am 30. September die Zahlen des Vorjahres wieder zu erreichen“, so die Präsidentin.

MEO-Region braucht mehr Gewerbeflächen

Der zunehmende Mangel an Industrie- und Gewerbeflächen ist und bleibt ein Dauerbrenner. Die MEO-Region ist hier in besonderer Weise betroffen: So steht hier in den kommenden 15 Jahren von den benötigten zusätzlichen Flächen in einer Größenordnung von rund 600 ha weniger als ein Drittel zur Verfügung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass davon mehr als die Hälfte der Flächen Restriktionen, wie etwa fehlende und schlechte Verkehrsanbindung oder Altlasten, aufweist. „Fakt ist: Von allen IHK-Bezirken des Ruhrgebietes ist die MEO-Region bei den Industrie- und Gewerbeflächen mit Abstand am schlechtesten aufgestellt. Dies macht sich bereits deutlich bei der Entwicklung der Beschäftigtenzahlen und der Wirtschaftsleistung bemerkbar“, stellt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gerald Püchel fest.

Flächenpotentiale benötigt

Kaum noch verfügbar seien Flächen für das Produzierende Gewerbe. Dies schlage bereits unmittelbar auf die Beschäftigungssituation durch. „Flächenengpässe müssen schnellstmöglich behoben und zusätzliche Flächenpotentiale in der gesamten MEO-Region gefunden werden“, fordert Püchel. Dabei sollen auch Flächen beachtet werden, die aufgrund von Restriktionen für Gewerbe und Industrie zwar potentiell geeignet sind, jedoch einen sensiblen Umgang mit Natur und Landschaft erfordern. „Nur mit der Reaktivierung von Brachflächen allein sind die Anforderungen der Unternehmen nicht zu erfüllen“, fasst Püchel zusammen.

Essen steht vor großen Herausforderungen

Die IHK begrüßt das Engagement von Verkehrsminister Wüst, die A52 wieder auf die politische Agenda zu setzen. Denn: Essen stehe mit seiner hohen Pendlerverflechtung vor großen Herausforderungen. Die Autobahnen rund um die Stadt werden an den steigenden Bedarf angepasst. Nur die Projekte auf Essener Stadtgebiet wie der Lückenschluss der A52, der Ruhralleetunnel oder der Ausbau der A40 zwischen Frohnhausen und dem Dreieck Essen-Ost sind mit der Dringlichkeitsstufe „Weiterer Bedarf“ auf der Wartebank geparkt– trotz guter Nutzen-Kosten-Bewertung. „Wenn Abwarten und Aussitzen die politische Marschrichtung lautet, darf sich niemand beschweren, wenn in Essen die Staus zunehmen. Dann steigt auch die Chance, den Titel „Stadt des Stillstands“ zu erringen“, stellt Püchel fest.
Um auch die steigende Anzahl der Pendler zu erreichen, muss der ÖPNV deutlich attraktiver gestaltet sein. „Damit meinen wir kein kostenloses Kutschieren, sondern engere Taktung, mehr Komfort und natürlich eine bessere Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln wie Rad oder Car-sharing“, so der Hauptgeschäftsführer weiter.

Sehr positive Wirtschaftslage

Zur aktuellen Wirtschaftslage in der MEO-Region hat die IHK ihre Mitgliedsunternehmen befragt. „Die Lage ist weiterhin stabil: Laut unserer Umfrage beurteilen 53 Prozent unserer Mitgliedsunternehmen ihre wirtschaftliche Situation mit gut und 29 Prozent mit befriedigend. Damit liegen wir weiterhin auf einem sehr guten Niveau“, fasst Jutta Kruft-Lohrengel die Ergebnisse einer aktuellen Online-Umfrage unter den Unternehmen der MEO-Region zusammen. Die Wirtschaft zeigt sich weiterhin optimistisch, politischen Neustrukturierungen und Unsicherheiten auf den internationalen Märkten zum Trotz.

Optimismus für die Zukunft

Auch beim Blick in die Zukunft schwingt Optimismus mit: Nahezu jedes 5. Unternehmen rechnet mit einer nochmals verbesserten Geschäftslage. Knapp zwei Drittel der Betriebe sehen eine stabile Entwicklung für sich voraus. Es zeigt sich, dass das Jahr 2019 bislang im Gesamtschnitt für die Unternehmen positiv verläuft.