Seit nunmehr 50 Jahren erschließt die HARKE GROUP aus Mülheim an der Ruhr industrielle Absatz- und Beschaffungsmärkte für ihre Kunden in Europa und der ganzen Welt. In dieser Zeit hat der internationale Chemiedistributor – mit den Bereichen Chemie, Kunststoffe, Pharma, Food, Kosmetik, Spezialverpackungen, Imaging und Lohnherstellung – einen großen Erfahrungsschatz im Umgang mit Krisen rund um den Globus erworben. Doch auch für das Familienunternehmen mit seinen mehr als 200 Mitarbeitenden und neun Tochterunternehmen in zehn Ländern Europas, der Türkei und Russland bedeutete die Corona-Pandemie Neuland.

Pandemie wirkte sich relativ spät aus

Verhältnismäßig spät bekam die HARKE Group die globale Pandemie im Auslandsgeschäft, mit dem 50 Prozent des Jahresumsatzes erzielt wird, zu spüren. „Bis Ende Mai gab es nur geringere Beeinträchtigungen für unser Auslandsgeschäft, u.a. durch Werkschließungen und Kurzarbeit bei unseren Lieferanten und Kunden. Bei Importen aus Asien kam es teilweise zu Verzögerungen“, beschreibt Jens Prinssen, Geschäftsführer der HARKE Chemicals GmbH, Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das internationale Geschäft der Unternehmensgruppe. Auf 50 Länder
rund um den Globus erstrecken sich mittlerweile die Geschäftskontakte – mit dem Umsatzschwerpunkt in Europa.

Branchenübergreifende Portfolio zeigt sich als Rettung

Als entscheidende Erfolgsfaktoren, dass die Firma die Krise bislang gut gemeistert hat und Engpässe vermieden werden konnten, betrachtet Prinssen das breit aufgestellte internationale Beschaffungs-, Produktions- und Vertriebsnetzwerk sowie das branchenübergreifende Produktportfolio: Verluste und Einbrüche in einem Segment, wie z. B. der Automobil-Industrie, konnten durch steigende Umsätze in anderen Bereichen – wie bspw. in den Business Units Wasch- und Reinigungsmittel sowie Pharma- und Food – mehr als kompensiert werden. Drohende Engpässe konnten durch Netzwerkpartner ausgeglichen werden. „Die Tatsache, dass wir kurzfristig und sehr effizient auf organisatorische und wirtschaftliche Veränderungen reagieren können, stimmt uns eindeutig positiv für das, was noch kommen mag“, so Prinssen.

HARKE sieht Entwicklung der Pandemie als kritisch

Doch auch sein Optimismus hat Grenzen. „Da müssen wir leider passen“, beantwortet er die Frage, ob es Regionen oder Länder gebe, die aus Sicht von HARKE aktuell Anlass zur Hoffnung geben. Im Gegenteil: „Kritisch sehen wir die wirtschaftliche Entwicklung bei unseren Nachbarn in Frankreich und in Italien“. HARKE und seine britischen Tochterunternehmen Chemlink Specialities und AddiTec stehen zudem in Großbritannien vor einer doppelten Herausforderung – der Corona-Krise und dem immer wahrscheinlicher werdenden harten Brexit. Als langfristige globale Auswirkungen der Corona-Krise erwartet Prinssen, dass Frachtpreise aufgrund verringerter Kapazitäten dauerhaft steigen, aber auch, dass einige Firmen ihre Beschaffungsmärkte, allen voran
China, häufiger und kritischer hinterfragen werden. Vorsicht bleibt somit bei der HARKE Group das Gebot der Stunde: „Es ist sicherlich zu früh, um alle Auswirkungen der Krise richtig und nachhaltig einzuschätzen“, so Prinssen.