Aus einem Zufall, einer Idee, kann manchmal Großartiges entstehen. So war 2012 viel Glück im Spiel, als Arno Sousa auf einer wenig bekannten Internetseite ein über Jahrzehnte leerstehendes Gebäude im Essener Süden fand. Bis zur Eröffnung des Mathildenhofes sollten zwar noch vier Jahre vergehen, aber das heute liebevoll sanierte Hinterhof-Kleinod war jede Minute wert.

Arbeitsatmosphäre soll sich nach „Zuhause“ anfühlen

Wenn man im großen Atrium steht und sich umschaut, sieht man: viel Licht. Der ganze Mathildenhof ist hell und freundlich. Das hier früher eine bekannte Wurstfabrik war, ist nicht mehr zu erahnen. Statt laut und hektisch ist die Atmosphäre dank ausgesuchter Naturmaterialien ruhig und entspannt. Holz und Stein erdet. „Ich arbeite auch mal 14 Stunden am Tag. Da war es mir wichtig, dass meine Arbeitsatmosphäre sich wie ein Zuhause anfühlt.“ erklärt Arno Sousa, der Eigentümer und gleichzeitig Mieter mit seiner ASP Eventrealisation GmbH ist. Die insgesamt 815 qm Fläche teilt er sich mit 16 weiteren Unternehmen, insgesamt beherbergt der Mathildenhof 35 Personen. Als Besonderheit hat jedes der 10 Büros eine eigene Terrasse.

Kreative Ideen werden entwickelt

„Der Mathildenhof ist zum einen ein Ort, an dem Menschen schlichtweg ihrer Arbeit nachgehen, aber er ist zum anderen auch ein Ort, an dem kreative Köpfe ihre Ideen entwickeln können. Dazu bedarf es eines inspirierenden Umfelds, die Bedingungen müssen einfach stimmen.“, sagt Sousa.

Infrastruktur im Haus gut nutzbar

Eine der ersten Mieterinnen war Kulturmanager Sabina Stücker. Sie ist heute noch froh, diesen Schritt 2016 gemacht zu haben. „Gerade als Einzelunternehmerin, die vorher von zuhause aus gearbeitet hat, profitiere ich massiv von der Infrastruktur im Hause. Die Besprechungsräume brauche ich nicht jeden Tag, aber wenn ich Besuch bekomme, nutze ich sie gerne. Auch der Austausch mit den anderen hier im Hause passiert zwanglos bei einem Getränk oder halt beim Kochen in der gemeinsamen Küche“.

Work-Together statt Co-Working-Space

Man kann im Mathildenhof ein ganzes Büro mieten oder aber auch nur einen Arbeitsplatz. Diese heißen hier nicht Co-Working-Space, sondern Work-Together. Der Begriff soll klar machen, es geht hier nicht darum, als mobiler Nomade ein paar Stunden oder Tage im Mathildenhof zu verbringen, sondern dass das Konzept Langfristigkeit vorsieht. Mindestens 6 Monate soll das gemeinsame Arbeiten schon dauern. Denn Netzwerken und Austausch leben zwar von Impulsen, aber eben auch von Beständigkeit. Vertrauen und Respekt sind die Schlüsselbegriffe, die das gemeinsame Arbeiten unter einem Dach vereinen sollen.

Mehr als nur A

Phillip Meyer (links) und Arno Sousa – hier in einem Besprechungszimmer – wollen sich bei der Arbeit wohl fühlen.

rbeitsräume

Partys und Incentives sucht man hier vergeblich. Auch versteht sich der Vermieter nicht als Bespaßer. Alle Events ­- im Sommer grillen, im Winter Feuerzangenbowle trinken – organisieren Mieter. Jeder kann einmal im Monat ab 18 Uhr das 150 Quadratmeter große Atrium mit seiner acht Meter hohen Decke nutzen. Der Raum ist universell einsetzbar und macht als Messepräsentation ebenso eine gute Figur wie für Lesungen, Vorträge oder Kunstausstellungen.

KIM – Kunst im Mathildenhof

Mit KIM (Kunst im Mathildenhof) haben letztere auch schon einen eigenen Namen. „Viele Kunst- und Kulturschaffende kommen auf uns zu,“ so Arno Sousa. Gerade die hohen Decken und das natürliche Licht sprechen viele Galeristen und Künstler an. „Aber das Ganze bewegt sich im Hobbybereich, wir verdienen damit kein Geld. Die Balance muss stimmen, denn jedes Event ist mit viel Arbeit verbunden.“

Corona macht auch hier erfinderisch

Mit dem Veranstaltungskaufmann Philipp Mayer hat sich Arno Sousa weitere Unterstützung ins Haus geholt. „Zurzeit gibt es aber auch viele Nachfragen, den Raum für Filmaufnahmen zu nutzen, z. B. Für Youtubevideos von Fitness- oder Yoga-Studios, die in ihren Räumen zur Zeit nicht so viele Teilnehmer aufnehmen dürfen“, erzählt Mayer. Neben dem Atrium kann man auch kostenpflichtig die Seminar- und Konferenzräume mieten. „Wir möchten mit unserem Netzwerk auf den Mathildenhof aufmerksam machen.

Gerade in Zeiten von Corona, mit all den nationalen und internationalen Beschränkungen, suchen wir aktiv die weitere Vernetzung im eigenen Viertel, dem Stadtteil Rüttenscheid und der Region Rhein-Ruhr. Die Kraft kommt oft aus dem engen Kreis, die Lösung für ein Problem wohnt manchmal um die Ecke. Wir sind beispielsweise in Gesprächen mit der Regionalagentur MEO und tauschen Ideen aus, wie man die Region beleben kann – wirtschaftlich wie kulturell. Hier sind viel Dynamik und Bewegung drin und das ist auch gut so.“

Alte Struktur bleibt erhalten – zumindest in der Architektur

Nachdem Essens ältester China-Imbiss vor Kurzem aus dem Erdgeschoss des Vorderhauses ausgezogen ist, werden die Räume wieder mithilfe von Architekt Thomas Hannemann saniert. Ähnlich wie im Mathildenhof selber bleibt ein Teil der alten Struktur erhalten, zum Beispiel in Form von freigelegtem Mauerwerk, Säulen oder anderen überraschenden Kleinigkeiten. Hier stehen nach Fertigstellung 130 Quadratmeter Bürofläche zur Verfügung. Sousa ist gespannt, wer sich davon angesprochen fühlen wird. Vielleicht wird es wieder eine Bereicherung für den Mathildenhof geben, vielleicht bleibt der neue Mieter aber auch für sich. Hier ist eben alles möglich.