Landwirtschaft in der MEO-Region

Der Einkauf im Hofladen liegt im Trend

Feldfrisches Obst und Gemüse, selbstgepflückte Blumen, Fleisch aus eigener Produktion, „freilebende Eier“ oder hausgemachte Konfitüren und Liköre: Der Einkauf beim Bauern, im Hofladen, liegt im Trend. Und wer denkt, Bauernhöfe gibt es nur auf dem Land, sollte sich unbedingt in der MEO-Region umschauen. 2016 wurden hier 139 agrarwirtschaftliche Betriebe registriert, viele von ihnen mit angrenzendem Hofladen, mit Waren aus eigener Herstellung. Regelmäßige Wochen- und Bauernmärkte bieten ebenfalls qualitativ wertvolle Produkte aus der Region. Mit den Discounterpreisen können sie zwar nicht mithalten, dafür punkten sie mit einer breiten Auswahl, Frische, kurzen Transportwegen und bekannter Herkunft – kurzum: mit Vertrauen. Wer beim Bauern einkauft, weiß genau, woher sein Essen stammt. Das wissen immer mehr Verbraucher zu schätzen und sind bereit, auch weitere Wege und höhere Kosten in Kauf zu nehmen.

Es ist mehr als nur der Einkauf

Dennoch: Der Verkauf über den Hofladen reicht für die Landwirte heute oft nicht mehr aus, um mit dem Lebensmittelmarkt konkurrieren zu können. Hinzu kommen zusätzliche Herausforderungen durch die Witterung und bürokratische Auflagen. Es brauchte neue Wege und Experimentierfreude: So gehören 24-Stunden-Frische-Automaten sowie Partnerschaften mit dem Einzel- und Großhandel, der Gastronomie und anderen regionalen Anbietern inzwischen ebenso zum Alltag wie neue Konzeptideen. Das Einkaufen auf dem Bauernhof soll Spaß machen und ein Erlebnis für die ganze Familie sein. Was früher kaum vorstellbar war, ist heute Selbstverständlichkeit: sich öffnen und Fremde auf den Hof lassen. Der Bauer von heute zeigt sich dabei als dienstleistungsorientierter Unternehmer, der Moderne mit Tradition vereint.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Einer von ihnen ist der junge Landwirt Johannes Scheidt, der einen der ältesten Höfe in der Umgebung bewirtschaftet: den traditionsreichen Lepkeshof in Oberhausen. 966 wurde er erstmals offiziell erwähnt und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Seit 1978 gehört er zur Familie Scheidt; 2015 übernahm Johannes die Leitung von seinem Vater Friedrich und hat bereits einige Veränderungen bewirkt. Die klassische Landwirtschaft mit Schweinemast und Getreideproduktion von einst gibt es nicht mehr, stattdessen dreht sich alles um den Anbau von Obst und dessen Weiterverarbeitung.

Die Vielfalt macht’s

„Früher habe ich lieber Sport gemacht; bin Inliner und Skateboard gefahren. Der Wunsch, Landwirt zu werden, kam erst zum Ende meiner Schulzeit“, erinnert sich der Familienvater. Nach der Ausbildung zum Gärtner mit Fachrichtung Obstbau folgte 2012 der Meister. Sein besonderes Interesse gilt Äpfeln, so dass er mit der Bepflanzung von Apfelbäumen 2008 offiziell in den Betrieb einstieg. Inzwischen bietet er über das ganze Jahr verteilt 13 verschiedene Sorten an, vom Herbstapfel über den Lagerapfel bis hin zum Allergiker-Apfel. „Der ist mild und hat weniger Säure, ist dennoch knackig und süß. Aber grundsätzlich ist bei uns für jeden Geschmack etwas dabei, Vielfalt ist uns sehr wichtig“, erklärt der Fachmann. Und das wissen die Kunden zu schätzen: 30 Prozent beträgt der Umsatz mit Äpfeln und dessen Produkten vom Gesamtumsatz.

Nicht alles vom eigenen Hof – viele Kooperationen machen Vieles möglich

Da der Landwirt nicht alles selbst anbauen kann, kooperiert er je nach Saison mit 10 bis 15 anderen Bauern, die überwiegend aus der nahen Umgebung kommen. So verkauft er in seinem 2011 eröffneten Hofladen neben Äpfeln u. a. Beerenobst, Eier vom Nachbarshof, Gemüse und Salat, Süßkirschen, Brotwaren, Wurst- und Käseaufschnitt, Marmeladen sowie Apfel- und Erdbeersaft und Honig aus eigener Herstellung. Darüber hinaus gibt es saisonale Produkte wie Kürbisse, Spargel und Geflügel. Ab Ende November stehen Tannenbäume aus eigenem Bestand für ihren Einsatz als Weihnachtsbäume zur Auswahl bereit.

Besuch beim Lepkeshof gleicht Kurzurlaub

Wer nicht nur im Laden konsumieren will, sondern auch auf dem Feld, bekommt hier die Gelegenheit dazu. Denn zum neuen Konzept gehört auch die Erlebniskultur: Abhängig von Witterung und Jahreszeit können Äpfel, Erdbeeren und Blumen selbst gepflückt werden – ein besonderes Erlebnis für Groß und Klein. „Für viele Kunden ist der Einkauf bei uns ein Ausflug auf den Bauernhof. Das hat etwas von Urlaub. Und wir liegen tatsächlich strategisch günstig: mitten im Dreistädteeck mit Feldern in Mülheim, Wiesen in Essen und dem Hofladen in Oberhausen. Außerdem bekommt man bei uns fast alles, was man zum frischen Kochen braucht. Unser Obst und Gemüse darf vollständig ausreifen, bevor es vom Feld in den Laden gebracht wird. Selbst wenn es vom Nachbarshof kommt, hat es keinen langen Transport hinter sich“, betont Scheidt, der allein in seinem Hofladen 18 Mitarbeiter beschäftigt.

„Wer erfolgreich ist, muss sich ständig fragen, wie er erfolgreich bleibt“

In der Saison unterstützen ihn bis zu 12 Erntehelfer. „Wir lieben unsere Produkte und genau das spüren unsere Kunden auch.“ Für ihn ein wichtiger Vorteil gegenüber Einzelhandel und Discountern, die ihre Produkte günstiger anbieten können und flexiblere Öffnungszeiten haben. Auf dem umkämpften Lebensmittelmarkt sind Weiterentwicklung, Aufgeschlossenheit und ein Gespür für Trends gefragt. „Es ist zwar nicht immer leicht, ältere Landwirte davon zu überzeugen, auch neue Wege zu gehen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Aber mit ein wenig Geduld und Überzeugungsarbeit klappt das“, lacht der Obstbauer. Denn für ihn ist klar: Wer erfolgreich ist, muss sich ständig fragen, wie er erfolgreich bleibt. So konnte er neue Kunden hinzugewinnen, seitdem er seine Facebookseite professionell und aktiv pflegt und regelmäßig mit neuen Inhalten wie Videos bespielt. Überraschungen inklusive. „Ich bin immer wieder baff, wenn mich Personen ansprechen und sagen: Ich kenne Sie aus Ihren Videos.“

Bei Wind und Wetter – im und um den Hofladen

Für die einen sind sie ein echter Gaumenschmaus, für die anderen der Inbegriff perfekter Grusel-Dekoration. Bis Ende Oktober stapeln sich vor dem Eingang zum Mülheimer Buchholz-Hofladen Kürbisse, wohin das Auge blick. Ein Meer aus Orange mit kleinen, großen, dicken, langen und kurzen Früchten reihen sich aneinander – ob mit oder ohne Gesicht sind sie ein echter Hingucker. „Wir haben mehr als 15 verschiedene Sorten Speise- und Zierkürbisse, von denen sich einige besonders gut aushöhlen lassen, perfekt also für Halloween“, erklären die Schwestern Anna und Lea Unterhansberg.

Von Eiern und Kartoffel zum großen Hofladen

Ihr Vater und Bauer Jochen Unterhansberg führt den Buchholz-Hof seit 1983, seit 1848 ist er in Familienhand. Wurden damals vornehmlich Eier und Kartoffeln verkauft, bietet der Hofladen mit 30 Teilzeitkräften heute ein umfangreiches Sortiment an Lebensmitteln, das sich vor herkömmlichen Supermärkten nicht zu verstecken braucht: Erdbeeren, Spargel, Kartoffeln, Eier, Käse-, Wurst- und Fleischwaren sowie Kuchen, Gebäck, Marmeladen und viele weitere Obst- und Gemüsesorten. Das dichte Netzwerk an regionalen und überregionalen Anbietern sorgt für ein breites Produktspektrum, denn nicht alle Waren können über die eigene Herstellung abgedeckt werden.

Die Arbeit wird geteilt

Anna und Lea Unterhansberg sind bereits die achte Generation und teilen sich seit drei Jahren die Hofleitung mit ihren Eltern. Wichtig dabei: Jede hat ihren eigenen Aufgabenbereich – Anna versorgt die Tiere, Lea kümmert sich um das Obst. „Auf gepachteten Feldern von meinem Vater habe ich Apfelbäume von zehn verschiedenen Sorten gepflanzt und verkaufe das Obst an ihn, der es wiederum in seinem Hofladen anbietet“, erklärt die 26-jährige Lea, die eine Ausbildung zur Obstbäuerin mit anschließender Meisterprüfung absolvierte. Wenn sie sich nicht um die rotbackigen Früchte kümmert, kontrolliert sie die Zäune, bestellt Felder, sortiert Obst und Gemüse und schneidet Bäume zurecht. Außerdem schwebt ihr der Anbau von Heidelbeeren, Birnen und weiteren Apfelsorten vor. Arbeit gibt es im Sommer und Winter gleichermaßen; Langeweile kommt jedenfalls nie auf.

Erst die Tiere, dann die Buchhaltung

Auch bei der zwei Jahre älteren Anna nicht. Eigentlich wollte sie Tiermedizin studieren, entschied sich dann aber doch für den elterlichen Betrieb und ein Landwirtschaftsstudium mit Schwerpunkt Tierhaltung. Seit 2016 führt sie den hofeigenen Reitbetrieb mit Pensions- und Reitpferden und kümmert sie sich um die traditionelle Hühnerhaltung. Für die Zukunft plant sie, Hühnermobile anzuschaffen. Denn anders als jetzt könnten die 8.000 Hühner komplett in Freilandhaltung leben und wären dennoch geschützt. Abends teilt sie sich mit ihrer Mutter die Arbeit im Büro, um sich auch in der Buchhaltung fit zu halten.

Eltern vertrauen und sind offen für Neues

Neben ihren eigenen Zuständigkeiten helfen die beiden regelmäßig im Hofladen aus, der täglich geöffnet hat. „Es ist uns sehr wichtig, alle Bereiche kennenzulernen, denn ein Landwirtschaftsbetrieb in unserer Größenordnung ist sehr vielschichtig – immerhin bewirtschaften wir fast 90 Hektar Land. Unser Vater hat viel geleistet und vor allem in den letzten zehn Jahren sehr viel investiert, z. B. in den Umbau des Hofladens und in neue Stallungen. Unser eigener Anspruch und Druck sind groß, den Betrieb ebenso erfolgreich zu führen, auch wenn unsere Eltern uns dieses Gefühl nie gegeben haben. Im Gegenteil, sie sind stets offen für unsere Vorschläge“, so die Schwestern.

Frische Luft als Belohnung

Ob sie ihre Entscheidung für die Landwirtschaft bereut haben? „Nein“, betonen beide. Aber wer bei Wind und Wetter im Freien arbeitet, kennt nicht nur sonnige Zeiten. „Ich erinnere mich noch gut daran, als ich während meiner Ausbildung zwischen den Obstbäumen stand, um die Reife der Äpfel zu kontrollieren. Es regnete in Strömen und das Wasser lief mir in die Kleidung und überall hin, ich war klitschnass. Da habe ich ziemlich geflucht. Und das passiert auch noch heute“, lacht Lea Unterhansberg. Nicht nur das, die Abhängigkeit vom Wetter beeinflusst auch den wirtschaftlichen Erfolg: „Während die Kartoffelernte dieses Jahr aufgrund der langen Dürre schlecht ausfiel, wuchsen die Erdbeeren umso besser.“ Dazu kommt die schwere, körperliche Arbeit auf dem Feld, die Kürbisernte ist z. B. reine Handarbeit. Dennoch sind sich beide einig: Die Leitung eines Landwirtschaftsbetriebes bietet vor allem abwechslungsreiches und eigenverantwortliches Arbeiten und vor allem ganz viel frische Luft.

Zu Hause bei Trude, Hilde und Co.

Trockenheit bedeutet Segen und Fluch zugleich, das weiß auch Christiane in der Beeck-Bolton vom Dümptener Bauernhof. Seit 2006 führt sie den elterlichen Hof in Mülheim an der Ruhr und gesteht: „Bei der Übernahme war ich ziemlich naiv. Obwohl ich hier aufgewachsen bin und den Arbeitsaufwand kenne, konnte ich nicht einschätzen, was tatsächlich auf mich zukommt. Das weiß man erst, wenn man die gesamte Verantwortung übernimmt. Im Grunde sind es 365 Tage Arbeit im Jahr.“

Über den Tellerrand herausschauen

Wie schon Anne Unterhansberg wollte sie ursprünglich Veterinärmedizinerin werden. „Aber manchmal braucht es ein paar glückliche Zufälle und ein dreimonatiges Praktikum in einem anderen Betrieb, um zu erkennen, was man wirklich will. Dass meine Eltern mir die Leitung von Anfang zugetraut und mich dazu ermutigt haben, gab mir zusätzlich viel Selbstvertrauen“, erinnert sie sich. Mit ihrer Unterstützung und die der sieben Mitarbeiter und Aushilfen sind sie ein eingespieltes und gut funktionierendes Team, hier stimmt die Chemie untereinander. Ein Landwirt-Azubi wäre zwar noch das i-Tüpfelchen, aber damit hat es für dieses Jahr leider nicht geklappt.

Gute Planung ist das A und O

Eine Woche im August, wenn die Getreideernte vorbei ist und die Kartoffelernte noch nicht angefangen hat, besteht die Möglichkeit, Urlaub mit ihrem Mann und den zwei schulpflichtigen Kindern zu machen. Das muss gut koordiniert sein, denn neben dem Betrieb in Dümpten bewirtschaftet ihr Mann zusätzlich einen Hof in Willich. Dennoch: Ihre Entscheidung hat die Agrar-Ingenieurin, allen Herausforderungen zum Trotz, nie bereut.

Den Einkauf mit einer Pause verbinden – selbstgebackenen Kuchen genießen!

Und der Erfolg gibt ihr Recht: „Bei uns läuft es sehr familiär ab, die meisten Gäste kennen wir schon lange. Für viele Ältere, aber auch für Eltern mit ihren Kindern, ist der Besuch bei uns wie eine Art Kurzurlaub“, freut sich die Landwirtin. Der modernisierte Hofladen hat Freitagnachmittag und Samstagvormittag geöffnet und bietet neben Beerenobst, Brot, Getreide, Rhabarber, Zwiebeln, Äpfeln, Eiern und Eierprodukten auch Brot und Backwaren aus eigener Herstellung. Im kleinen Hofcafé können die Gäste den Einkauf mit einer Pause verbinden. „Die selbstgebackenen Kuchen und Gebäcke sind besonders beliebt“, so in der Beeck-Bolten, die ihre Produkte auch in verschiedenen Einzelhandelsgeschäften vertreibt.

Mehr als nur „ein Hofladen“

Durch ihre Zusatzausbildung „Erlebnispädagogik Bauernhof“ bekam sie viele Anregungen, damit „Städter“ auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten zu ihr kommen. So finden regelmäßig Kürbisschnitzkurse, kulinarische Schnitzeljagden, Kinderveranstaltungen wie die „Bodenschatzsuche“ und ein Weihnachtsmarkt am zweiten Adventswochenende mit umfangreichem Programm statt: Neben Leckereien gibt es Weihnachtsbäume, ein Kunsthandwerk, eine Adventsausstellung und vielseitige Aktionen für Kinder. Zwar finden schon viele Kunden trotz der abgeschiedenen Lage den Weg zum ‚Goldenen Käfig‘, wie sie den Hof oft nennt. Aber es dürfen gerne noch mehr werden.

Besondere Werte vermitteln

„Wir legen Wert auf eine schonende und nachhaltige Landwirtschaft und das wollen wir unseren Kunden vermitteln.“ Dafür hat sie schon einiges investiert: Verkaufsautomaten mit frischen Eiern, neue Maschinen, Umbau des Hofladens, Allwetterschutz für die Erdbeeren und jede Menge neue eigene Produkte. Darüber hinaus gibt es zwei Hühnermobile für die mehr als 700 freilaufenden Hühner, die ihre Kinder Trude, Hilde und Co. getauft haben. Mehr symbolisch, denn auseinanderhalten lassen sich die braun-weiß gefiederten Zweibeiner nicht. Die Wiesen teilen sie sich mit vier Ziegen, denn die offene Freilandhaltung sorgt zwar für „Glück im Sixpack“, wie die 6er-Eier-Verpackung genannt wird, lockt aber auch hungrige Habichte an. „Wir setzen die Ziegen als natürliche Verteidigung gegen die Greifvögel ein, die sich allein durch deren Anwesenheit abschrecken lassen. Bis dahin haben wir regelmäßig mehrere Hühner pro Tag verloren. Aber dank der Vierbeiner Tim, Struppi, Anton und Pünktchen passiert das glücklicherweise nur noch selten.“

Gelebte Tradition im Hofladen und auf dem Hof

Von Generation zu Generation wird das Wissen rund um die Landwirtschaft auf dem Dieckerhof weitergegeben. Bereits in der vierten Generation wird der Hof von Friedrich von der Bey bewirtschaftet. Seine Nichte, Gabriele Gantenberg, führt die gemeinsame Direktvermarktung: „Das Arbeiten hier auf dem Hof ist ein enges Zusammenspiel zwischen Familie und Mitarbeitern. Da rutscht man als Kind bzw. junger Erwachsener einfach so in die Arbeit mit rein.“

Besonders stolz auf die Eigenvermarktung des Fleisches der eigenen Tiere

Die 90 Hektar bewirtschafteten Flächen des Dieckerhofs verteilen sich über Oberhausen und Mülheim bis hin nach Breitscheid. Auf dem Hof werden täglich rund 1.000 Schweine und 85 Jungbullen umsorgt: „Die Tiere halten einen natürlich auf Trab. Zweimal am Tag steht der Kontrollgang durch die Ställe an. Dabei überprüfe ich das Wohlbefinden der Tiere, kontrolliere die Fütterungstechnik und Tränken, es wird gemistet und gefüttert. Allerdings ist das nur ein Teil meines Tagesablaufes“, so Friedrich von der Bey. Der Landwirt ist besonders stolz auf die Eigenvermarktung des Fleisches seiner Tiere: Die Schweine und Jungbullen werden im Kälber- bzw. Ferkelalter von Landwirtskollegen zugekauft, dann – mit dem eigens angebauten Futter – gemästet, von einem regionalem Betrieb extern geschlachtet und dann wieder im eigenen Betrieb zerlegt und im Hofladen verkauft.

Die ein oder andere Herausforderung

Dabei gibt es aber auch einige Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt: „Als landwirtschaftlicher Betrieb sind wir natürlich abhängig vom Wetter. Ein großes Problem bereiten uns als kleinem Betrieb die übermäßig hohen bürokratischen Dokumentationspflichten. Auch die Straßen und Transportwege werden für unsere Fahrzeuge immer schwieriger zu befahren“, erklärt der Landwirt.

Neben dem Einkauf im Hofladen werden auch die Tiere besucht

Die Kunden des Dieckerhofs merken zum Glück nichts von den täglichen Herausforderungen. „Ob Jung ob alt, Familien oder Großeltern mit ihren Enkelkindern kommen immer wieder gerne vorbei – und nicht nur für den Einkauf, sondern auch für einen Besuch unserer Tiere“, berichtet Gabriele Gantenberg. Auf dem Dieckerhof sind neben den Schweinen und Bullen auch noch Esel, Lamas, Ziegen, Schafe und Gänse zu sehen.

Man setzt auf die persönliche Beratung

Die Großküche des Dieckerhofs bietet neben dem Mittagstisch auch einen Cateringservice für Firmen und Privatleute an. „Bei uns gibt es keine Karte, stattdessen beraten wir persönlich und können so speziell auf individuelle Wünsche eingehen. Ob traditionelle Gerichte vom Krustenbraten über Rouladen bis hin zur modernen Küche setzen wir alles nach den Wünschen den Kunden um“, verrät sie. „Im Partyservice geht der Trend zum Rundumservice. Neben Geschirr, Tischwäsche und Buffetschildern wird auch immer häufiger Servicepersonal angefragt“, so Seniorchef Friedhelm von der Bey. In der Wurst-/Fleischtheke findet man alle klassischen Metzgereiprodukte vor: „Hier laufen wir keinen Trends nach. Wir setzen auf das Fachwissen und die Persönlichkeit unserer Mitarbeiter“, erklärt Gabriele Gantenberg. Der Dieckerhof kooperiert auch noch mit Gastronomen aus der Region.

Bildung als Herzensangelegenheit

Eine Herzensangelegenheit ist die Bildung von Kindern: „Wir bieten Schulklassen und Vereinen Führungen an, um den Hof und unsere Produkte besser kennenzulernen. Die Kinder sollen erfahren, dass das Mehl nicht nur aus dem Regal kommt, und das Fleisch nicht aus dem Kühlschrank“, erklärt Friedrich von der Bey. Fragt man das Gespann nach der Zukunft, dann ist die Antwort deutlich: „Man muss immer wieder neu denken, aber das ganze Konzept auf dem Hof passt einfach zusammen“.

Von der Freilandhaltung begeistert 

Apropos Konzept: Alexander im Brahm hat 2017 die Freilandhaltung von Schweinen nach Essen gebracht. „Die Tiere so munter in einer Haltungsform zu sehen, in der sie ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können, macht mir viel Freude“, so der Landwirt. Alexander im Brahm, dem schon seit Kindesalter bewusst ist, dass er in der Landwirtschaft arbeiten wird, hat nach der landwirtschaftlichen Ausbildung ein Studium in Osnabrück absolviert. Dabei hat er auch das System kennengelernt, was ihn so fasziniert hat. Während eines Praktikums in England hat er gelernt, wie man die Tiere halten kann, aber auch genau das machen können, was sie gern machen: „Schweine suhlen sich eben gerne, sie wühlen in der Erde und spielen ausgelassen im Stroh“, erklärt er.

Gründung des Betriebs während des Studiums

Der Sohn einer Bauernfamilie hat das „Ruhrtaler Freilandschwein“ während seines Studiums 2017 gegründet. „Es war schnell klar, dass ich mich in meinem Leben selbstständig machen werde. Ich bin nicht der Erstgeborene in unserer Familie. Daher wird mein Bruder den Hof erben.“ Bis heute wuchs die Anzahl seiner Schweine auf 1.000 Tiere. Allerdings hat er sich nicht ganz von seinen Eltern getrennt: Der junge Landwirt pachtet ein Teil des Landes, worüber seine Eltern verfügen.

Es ist eine Berufung – kein Beruf!

Mit der Landwirtschaft im Blut lässt sich auch ein normaler Tagesablauf meistern: „An drei Tagen unter der Woche beginnt mein Tag um 03:00 Uhr. Die erste Station ist der Schlachthof, wo dann 40 Schweine pro Woche geschlachtet werden. Dann geht es zurück zum Hof und es wird sich – wie jeden Tag – um die Tiere gekümmert“, so der Jungunternehmer. Allerdings schreckt ihn die Arbeit auch nicht ab: „Als Kind, welches in der Landwirtschaft groß wird, ist man es gewohnt, auch am Wochenende mit anzupacken und keinen 9 to 5-Job zu haben.“. Zurzeit beschäftigt er einen Angestellten, der ihn auch mal im Urlaub vertritt.

Neben Nachhaltigkeitsgedanken auch Bildungsgedanken

Eine weitere Besonderheit, die das „Ruhrtaler Freilandschwein“ bietet, ist der Nachhaltigkeitsgedanke, denn Kunden können ausschließlich ein ganzes Schwein erwerben. „So gewährleiste ich, dass nicht nur die begehrten Stücke verwertet werden, sondern eben das ganze Schwein“, erklärt der Landwirt. Zu seinen Kunden gehören viele Metzgereien, aber auch Großhändler. Private Kunden hat er in der traditionellen Form nicht, aber dennoch ein Angebot: „Gerne biete ich auch Führungen an: Von Schulgruppen, über Vereine bis hin zu Kindergärten, geben wir den Menschen die Möglichkeit, unseren Hof und die Art der Haltung kennenzulernen“, so im Brahm. Seit Anbeginn seiner Selbstständigkeit ist ihm wichtig, den Menschen das zu geben, worauf es ankommt: „Verbraucher fragen immer wieder nach, wie das Tier lebt und wo genau es herkommt.“

Tiermedizin gilt als Herausforderung

Die Herausforderungen in der Schweinezucht bestehen vor allem in der Tiermedizin. „Wir müssen, durch das Auftreten der Schweinepest in den vergangenen Jahren, viel mehr Vorsorge treffen“, erklärt der Experte. Doch nicht nur der medizinische Bereich macht ihm zu schaffen. Eine weitere Hürde, die noch genommen werden muss, ist die Zusammenarbeit mit den Städten: „Es ist ein enormer Aufwand alle Genehmigungen einzuholen, da die Verwaltungen deutlich penibler geworden sind“. Allerdings halten ihn die Herausforderungen nicht davon ab, positiv über seine Zukunft zu denken. Sein Ziel ist es, künftig nicht nur Anzahl und Art der Tiere zu erweitern, sondern die Freilandhaltung auf ganz Deutschland zu übertragen.

Anja Matthies & Josephine Stachelhaus

Weitere Informationen zu unserer Oktober-Ausgabe finden Sie hier. Andere Titelstrecken, wie z. B. Trends rund um den „Wirtschaftsfaktor Sport“ finden Sie hier.