Natürlich, nachhaltig und fair: Die neuen Wertvorstellungen eröffnen Chancen und Perspektiven. So wurde 2017 in Deutschland ein Gesamtwert von 1,33 Milliarden Euro für Produkte mit dem Fair-Trade-Siegel ausgegeben – ein Umsatzplus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Von einem kurzlebigen Trend spricht längst niemand mehr.

Gehörten Bio- oder Fair-Trade-zertifizierte Produkte vor 10 Jahren in Discountern noch zur Nischenware, hat sich das Bild grundlegend geändert. Nachhaltigkeit ist massentauglich geworden. Und es zeigt auch: Bio und Fair Trade kauft man aus Überzeugung. Es geht um mehr als die eigene Gesundheit, es geht um faire Löhne, artgerechte Tierhaltung und die Schonung der Umwelt. Wurden Idealisten, Umwelt- und Tierschützer einst als Öko-Spinner abgetan, sind sie heute Innovatoren und bieten eine bunte Palette für bio-faires Leben. Die meo stellt einige von ihnen vor, die mit unterschiedlichen Konzepten ihren Platz gefunden, aber eins gemeinsam haben: Nachhaltigkeit als Lebenseinstellung.

Für den Werterhalt

Eine gute Möglichkeit, Müll zu vermeiden, bietet das Repair Café in Oberhausen – eins von mehr als 1.600 weltweit, entstanden nach einer Idee aus Holland. Seit 2015 haben Interessenten jeden ersten Samstag im Monat die Gelegenheit, kaputte Elektrogeräte oder Alltagsgegenstände von fachkundigen Ehrenamtlichen überprüfen und reparieren zu lassen. Besonders beliebt sind Geräte mit Steckern und Kinderspielzeuge. Das Angebot stieß schnell auf großes Interesse – mehr als 300 Menschen nutzen es pro Jahr –, so dass inzwischen unterschiedliche Träger das Repair Café an 3 verschiedenen Standorten in Oberhausen organisieren. Für Patrick Klüber und Mark Letford, Initiatoren der Werkstatt im Mehrgenerationenhaus, ein großer Erfolg.

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Während der Reparatur gibt es Kaffee, Kuchen und die Möglichkeit, mit anderen Gästen ins Gespräch zu kommen. „Der Großteil unserer Besucher beschäftigt sich mit den Themen Nachhaltigkeit und Umwelt. Sie setzen sich mit Werten und aktuellen Entwicklungen auseinander. Für sie bedeutet das Reparieren nicht nur Müllvermeidung, sondern auch ein deutliches Positionieren gegen den schnellen Konsum“, betonen Letford und Klüber, die sich über neue Helfer für das Repair Café jederzeit freuen. Außerdem suchen sie nach Helfern mit Kenntnissen über das Upcycling: also Abfallprodukte oder scheinbar nutzlose Stoffe verarbeiten und aufwerten.

Aus Alt mach Neu

Einer vom Fach ist Gregor Volk aus Mülheim: Upcycling ist unter dem Label PRESS.BAG sein Geschäftsmodell. Oder anders ausgedrückt: Was haben Fox, Samy, Enzo und Koi gemeinsam – abgesehen vom ungewöhnlichen Namen? Sie alle waren in ihrem ersten Leben Fahrradreifen, Fahrradschlauch, Werbebanner oder Feuerwehrschlauch, bevor sie als Handtasche, Rucksack, Geldbörse oder Gürtel den Besitzer wechseln.

Gregor Volk fertigt Taschen und andere Accessoires an, die er auf Kreativmärkten in ganz Deutschland und über seinen Online-Shop verkauft. „Kreativ war ich schon als Kind – ich habe mit Holz gewerkelt, Marionetten gebaut oder eigene Klamotten genäht. Und weil die finanziellen Mittel nach meinem Studium knapp waren, habe ich seit jeher genommen, was mir in die Hände fiel und nützlich erschien.“ 2012 machte er sich dann selbstständig, nachdem er auf einem Schrottplatz ein altes Autopolster entdeckte, das ihn zu neuen Ideen – und seinem ersten Prototyp – inspirierte: eine Umhängetasche mit originalen Sicherheitsgurten als Verschluss. So entstand auch der Name PRESS.BAG.

Materialien werden fair verwendet

Seine Materialien bekommt er von Fahrradwerkstätten, Schrottplätzen oder Werbeagenturen. Mit Ausnahme der Schrottplätze gilt dabei: Kein Geld für Müll. In seinen eigenen vier Wänden hat er sich eine kleine Werkstatt eingerichtet – mit drei Nähmaschinen, die je nach Stoffstärke zum Einsatz kommen. Bevor er die Fox-Tasche zum Leben erweckt, muss der studierte Soziologe die großen Werbebanner in kleine Einzelteile schneiden und waschen. Ein aufwändiger Akt, der mehrere Tage dauert. Aber wenn das geschafft ist, produziert er vier Taschen am Tag, kleinere Produkte gehen schneller.

„Gesellschaftliche Zusammenhänge spielten für mich schon immer eine Rolle. Es macht mich stolz, dass ich durch meine Arbeit Kreatives schaffen und gleichzeitig meinen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann“, betont Volk, der Möbel vom Sperrmüll besorgt, Ökostrom bezieht und sich vegetarisch ernährt.

Wo ein Metzger Stammkunde ist

Für Ines und Micha Müntjes aus Oberhausen ist der Verzicht auf Nahrungsmittel tierischen Ursprungs Lebenseinstellung und Geschäftsidee zugleich: Seit knapp zwei Jahren sind sie mit ihrem Foodtruck Che Vegan auf Streetfood-Festivals, Wochenendmärkten, bei Firmenevents oder privaten Veranstaltungen im Ruhrgebiet unterwegs und bereiten vegane Köstlichkeiten wie Burger oder Sandwiches zu. „Wir sind selbst begeisterte Festivalgänger und waren Pommes und Co. irgendwann leid. In erster Linie aber wollen wir Speisen anbieten, für die kein Tier leiden musste, und beweisen, dass die vegane Küche alles andere als eintönig ist. Ganz im Gegenteil“, betonen die beiden. Sie selbst leben seit mehr als 10 Jahren vegan – und Tofu spielt bei ihrer Ernährung kaum eine Rolle.

Die Abwechslung macht’s

„Auch wenn die vegane Küche allmählich mehr Anhänger findet, setzen noch immer viele vegan mit Tofu gleich – und sind abgeschreckt. Sie können sich nicht vorstellen, dass vegane Speisen abwechslungsreich und sehr schmackhaft sind. Und, wenn es richtig zubereitet wird, dem Geschmack von Fleisch in nichts nachstehen“, betont der gelernte Koch. Einer seiner Stammkunden ist Metzger – der muss es wohl wissen. Und weil es inzwischen so gut läuft, dass sie sogar Anfragen von Marktveranstaltern ablehnen müssen, bieten sie ihren Kunden eine „Geld-zurück-Garantie“ an: Wem es nicht geschmeckt hat, der bekommt sein Geld zurück, ohne Wenn und Aber.

Regelmäßig hilft auch Tochter Chantal, dann stehen sie zu dritt in dem kleinen und nach ihren Bedürfnissen ausgestatteten Truck. Da muss jeder seinen Platz kennen und jeder Handgriff sitzen – pro Burger brauchen sie 1,10 min inklusive Zubereitung, Garnitur und Servieren. Zwar ein wenig wie Fließbandarbeit, wie Ines Müntjes erklärt, aber mit viel Spaß und zufriedenen Kunden. Besonders begehrt ist der Jackfruit Burger Goa mit Brotbaumfrucht und passend zur Weihnachtszeit wird demnächst vegane Ente – also eine Erbsenproteinmischung – zwischen die Brioche-Hälften gelegt. Bei der Zubereitung lassen sie ihrer Kreativität freien Lauf oder orientieren sich an bestehenden Rezepten, die sie einfach veganisieren.

Geschmack als Trumpf

Damit das Gesamtkonzept auch über den sprichwörtlichen Tellerrand hinausgeht, sind Besteck, Teller und Servietten aus Bambus, Zuckerrohr und recyceltem Papier – nachhaltig durch und durch. Was Michelangelo schon schwach werden ließ
„Farben bestimmen unser Leben mehr als wir ahnen“, betont Jens Müller, Gründer und Inhaber der Farbenmühle mcdrent – ein kleines Ökoparadies in der Mülheimer Altstadt. „Da wir auf jegliche Bindemittel und Konservierungsstoffe verzichten, sind unsere Farben und Malmittel gesundheitlich unbedenklich“, so der Familienvater und Diplom-Mineraloge, der nach mehr als zwanzig Jahren in der Lackindustrie den Drang nach mehr nachhaltiger Produktion verspürte.

„Gesellschaftskritisch sind viele, aber meine Devise war: Handeln, statt nur meckern, und einen Beitrag zur gesellschaftlichen Veränderung leisten. Etwas Gutes und Sinnvolles hinterlassen.“ Ein ambitioniertes Vorhaben, doch der Plan ging auf: Entstanden ist eine gemeinwohlorientierte Pigmentmanufaktur – mit Alleinstellungsmerkmal in Deutschland. Die nächste gibt es erst in der Schweiz. Zum Sortiment gehören Innenwandfarben aus reinen Naturpigmenten, Künstlerfarben ohne chemische Zusatzstoffe und Zubehör wie Papier, Pinsel und Schmierseife.

„Ich kenne alle meine 25 Rohstofflieferanten und die Herstellungsverfahren persönlich, das ist mir sehr wichtig. In meinem Geschäft zieht sich Nachhaltigkeit durch alle Produkte und Bereiche“, erklärt Müller. Natur setze auf Harmonie und so haben in der Farbenmühle alle Wände und sogar die Decke einen anderen Anstrich erhalten, ohne dass es bunt oder störend wirkt. 80 Prozent seiner Arbeit drehen sich darum, die Naturpigmente – insgesamt 140 verschiedene – zu verarbeiten und neue Farbkonzepte zu entwerfen.

Weiß als Basis

Die Basisfarbe Weiß wird zusammen mit den Pigmenten, die in einem mehrtägigen traditionellen Prozess in einer Kugelmühle mit Wasser vermahlen werden, zu Farbpasten verarbeitet – ohne Konservierungsmittel, Füllstoffe, Verdicker und andere Zusatzstoffe. „Naturpigmente sind natürliche Rohstoffe, die immer wieder nachwachsen. Besonders bekannte Minen liegen in Indien, Frankreich, Italien, Zypern und Afghanistan. Hier befindet sich übrigens auch die Provinz Sar-e-Sang, wo das berühmte Lapislazuli abgetragen wird.“

Das unvergleichliche Blau, sein Seltenheitswert und der damit verbundene hohe Preis brachten dem Halbedelstein den Beinamen Königsfarbe ein – schon Cleopatra ließ sich Schminke daraus herstellen. Selbst Michelangelo vergaß Recht und
Anstand, als er am neuen Auftragsort einen Eimer mit Lapislazuli-Farbe entdeckte und sich statt der Arbeit zu widmen, den Eimer schnappte und stiften ging. Damals wie heute wohl nicht verwunderlich: Kostet ein Kilogramm Lapislazuli immerhin mehrere Tausend Euro. Inzwischen gibt es auch andere Blautöne, die weniger kostspielig, aber ebenso schön sind.

Zu Müllers Kundenstamm gehören neben Künstlern auch immer mehr Architekten und private Hausbauer, die Wert auf eine naturreine Farbgestaltung legen. Sein Ziel: eine ökologische und nachhaltige Wandfarbenmarke zu etablieren, die ebenso anerkannt ist wie handelsübliche Wandfarbenmarken.

Plastik kommt nicht in die Tüte

Ähnlich wie Jens Müller stellte auch Helena Mohr nach zwölf Jahren fest, dass sie nicht bis an ihr Lebensende im Büro arbeiten möchte. Mit „von Grünstadt“ im Essener Südviertel hat sie sich vor 6 Monaten ihren lang gehegten Traum vom eigenen Geschäft erfüllt und ermöglicht ein plastikfreies Einkaufserlebnis mit ökologischen Artikeln rund um Haushalt und Naturkosmetik. Wer möchte, kann eigene Behälter mitbringen, ansonsten gibt es Dosen aus Rinde – als Alternative zur Plastik-Tupperware –, ohne Leim, dafür gewickelt und gesteckt.

Außerdem gibt es Putzmittel zum Selberabfüllen, Gläser, Trinkflaschen, Jutetaschen, jede Menge Geschenkideen sowie Tee und Kaffee – präsentiert in Holzkisten. „Es ist nicht schwer, sein Leben mit kleinen Dingen grüner zu gestalten.“ Genau das will sie mit ihren rund 300 Produkten zeigen – ohne den berühmten Zeigefinger zu erheben.

„Es geht nicht darum, Plastik komplett aus dem Alltag zu verbannen – das geht auch nicht für alle Bereiche. Aber es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie viel (Plastik)Müll wir täglich produzieren und zu hinterfragen, ob der vermeidbar ist“, so die Betriebswirtin, die auch einen Online-Shop betreibt. Erhebungen aus dem Jahr 2016 zeigen, dass jeder Deutsche rund 220 Kilo Gramm Verpackungsmüll produzierte. Der europäische Durchschnitt liegt bei nicht einmal 170 Kilogramm pro Kopf. Und nicht nur jede Menge Plastik ist ein Fall für die Tonne, sondern auch ein Drittel der für Deutschland hergestellten Lebensmittel.

Für Helena Mohr Grund, sich am organisierten Foodsharing zu beteiligen: Dafür befindet sich in ihrem Ladengeschäft ein Kühlschrank, den jeder mit überschüssigen Lebens mitteln auffüllen und so vor dem Verfall retten kann. Essen teilen, statt wegwerfen.

Workshops als weitere Möglichkeit

Um auf vielfältige Weise zu sensibilisieren, organisiert sie in ihrem Ladenlokal einmal im Monat Workshops, Vorträge und andere Events: So hatten Teilnehmerinnen zum Beispiel die Möglichkeit, unter fachkundiger Anleitung Naturkosmetik herzustellen oder sich über alternative Textilien zu informieren. Eine der Referentinnen war Merle Alena Fischer, Freundin und Mitbewohnerin von Helena Mohr.

Als Studentin des Textile and Clothing Management beschäftigt sie sich viel mit dem heutigen Umgang mit Textilien: „Bei der Produktion unserer Kleidung fallen Wasserverbrauch und Schadstoffbelastungen an – und gleichzeitig produzieren wir immer mehr Textilmüll. Die Wertschätzung dafür ist völlig verloren gegangen.

Früher, als Bekleidung noch von Hand hergestellt wurde, wussten die Leute, wie viel Zeit und Aufwand in der Herstellung einer Hose, eines Kleides oder eines Hemds stecken. Niemand hätte damals eine Hose einfach nach zwei Monaten weggeschmissen, weil sie nicht mehr gefällt“, betont die Studentin. „Nach dem Motto ‚weniger ist mehr‘ habe ich kürzlich meinen Kleiderschrank aussortiert und kann die Stücke, die übrig geblieben sind, wieder mehr schätzen.“

Von wegen Jutesack und Birkenstocksandalen

Neben der Reduktion sind Second-Hand-Waren, Klamottentauschbörsen oder auch Textilien mit Ökolabels weitere Möglichkeiten. Zu den Bekanntesten gehören Bluesign, Fairtrade und „GOTS“ (Global Organic Textile Standard). Ein Zeichen für internationale Standards. Pestizide und Chemikalien sind in der gesamten Herstellungskette verboten und soziale Kriterien werden streng reguliert. Durch die strikten Anforderungen sollen nicht nur die Menschen, die in der  Produktionskette arbeiten, sondern auch die Konsumenten geschützt werden. Denn: Allergene, krebserregende oder giftige Rückstände, die in den Farben nicht-zertifizierter Waren festgestellt werden konnten, sind in GOTS zertifizierter Kleidung verboten.

Wer sich genauer mit dem Thema auseinandersetzen und nach Fair-Trade-zertifizierter Kleidung suchen möchte, wird bei Native Souls in Essen und Bochum fündig. Hier verkaufen Rebecca Kerkhoff und ihr Mann Daniel Schmitz nicht nur Klassiker wie T-Shirts, Pullover, Jacken und Hosen, sondern auch saisonale Hingucker – und Gespräche rund um Siegel und Fair Trade gibt es kostenlos obendrauf.

Hier gilt: Jedes Kleidungsstück ist bio und nachhaltig produziert, die Zusammenarbeit erfolgt nur mit ausgewählten Ökolabels, u. a. eben GOTS. „Immer mehr Kunden stellen begeistert fest: Von wegen Jutesack und Birkenstock. Ökofaire Kleidung steht der konventionellen Mode in nichts nach und ist längst nicht mehr öde oder sackartig“, so Kerkhoff.

Von der Nische zum Erfolg

„Wir verkaufen grüne Mode fürs gute Gewissen – und das inzwischen seit mehr als 8 Jahren. Anfangs waren wir noch eine Nische, aber man merkt, dass immer mehr auf den Nachhaltigkeitszug aufspringen. Für uns ist das eine Lebenseinstellung.“, erklärt die Inhaberin, die, wie ihr Mann, 20 Jahre im konventionellen Handel tätig war. Dadurch kennen sie Hintergründe zu Produktionsabläufen, Arbeitsbedingungen und Materialverarbeitung – und wollten es anders machen. Weil Trends kurzlebig sind und nichts mit Nachhaltigkeit zu tun haben, verweigert sie auch trendige, angesagte Kleidung, die nach einem Sommer schon wieder out ist. „Unsere Mode ist langlebig, zeitlos und schick. Die Preise sind natürlich nicht mit Discountern vergleichbar, aber mit anderen namhaften Marken auf jeden Fall. Bei uns bezahlt man nicht den Namen, sondern die nachhaltige Produktion.“

Seit einiger Zeit entwerfen sie unter „Native Souls“ auch eine eigene Kollektion auf Sri Lanka. „Die T-Shirts, Longsleeves, Cardigans und Blazer entstehen nach meinen Entwürfen“, freut sich Kerkhoff. „Dabei achte ich auf dezente Muster. Wir sind regelmäßig auf Sri Lanka; die Fabriken – also Spinnerei, Färberei, Näherei und Druckerei – haben wir alle mit aufgebaut und für angenehme Arbeitsbedingungen gesorgt. Ein Partner von uns vor Ort, mit dem wir freundschaftlich verbunden sind, kümmert sich um alle Angelegenheiten.“

Bio fürs Baby

Auch Birgit Tewes ist mit ihrem Klabauterladen in Essen-Stadtwald im Verkauf von Bio- und Fair-Tradezertifizierten Textilien zu Hause. Wie der Name schon vermuten lässt, gibt es hier spezielle Mode und Schuhe für Säuglinge und  Kleinkinder – und Damen, aber die haben ihr Extra-Geschäft: den Klabauterladen 2.0. „Bei unseren Produkten achten wir auf Naturfasern, mit Ausnahme des Outdoor-Bereichs, hier machen wir Zugeständnisse. Ebenso bei den Schuhen, da es manchmal keine Alternativen für die Nachfrage der Kunden gibt. Denn für Waldkindergarten und andere Draußenzwerge benötigt man einfach sehr robuste wetterfeste Kleidung. Dafür hinterfragen wir Produktionsstandorte und Qualitäten“, betont die gelernte Erzieherin.

Die Nachfrage ist immens, Zeit für Pausen bleibt kaum. „Seit 2007 sind wir mit unserem Klabauterladen im Stadtwald und die Reaktion der Kunden war von Anfang an positiv. Der Großteil kommt gezielt wegen unseres Bio-Fair-Trade-Sortiments und nimmt auch weite Strecken auf sich.“ Immer mehr Menschen interessieren sich für Nachhaltigkeit, Umgang mit Ressourcen, Naturfasern sowie gesunde und zertifizierte Kleidung. Testinstitute finden immer wieder Schadstoffe in Textilien, die wiederum Allergien auslösen können.

Immunsysteme von Babys besonders gefährdet

„Gerade Babys sind aufgrund ihres noch nicht ausgereiften Immunsystems besonders gefährdet“, so die Inhaberin. Durch die Geburten ihrer eigenen Kinder setzte sie sich mit den Themen auseinander und entwickelte so eine Geschäftsidee daraus. „Achtsamkeit und Fairness bedeuten für mich auch Ehrlichkeit zu den Kunden, eine gute Fachberatung, faire Preise und Rohstoffe nicht als Wegwerfware zu sehen.“

Genau wie Native Souls gibt es auch bei Birgit Tewes eine eigene Kollektion: die Klabautersocke – auch bekannt als Ledersocke, Lederstrümpfe, Lederpuschen oder Krabbelschuhe –, die sie bereits seit mehr als 20 Jahren anfertigt. Das Besondere daran: „Für die Verarbeitung wird ausschließlich weiches, naturbelassenes Bio-Leder aus Deutschland verwendet, das sehr robust und strapazierfähig ist. Alle Leder der Produktlinie sind vom Internationalen Verband Natur textilien (IVN) zertifiziert – der renommierteste Natur – textilverband“, erklärt sie. Der IVN arbeitet auf internationaler Ebene und steht für das strengste Gütesiegel im Bereich Textilien. „Die Klabautersocke wird von uns per Hand gestanzt und genäht – jede ist also ein Unikat.“

Ein Kräuterelixier für alle Fälle

Ganz in der Nähe befindet sich die SOLIFORM Erich Reinecke GmbH. Natur und Bio werden auch hier großgeschrieben – allerdings gibt es nur ein einziges Produkt. Und das hat es in sich: das „Soli-Chlorophyll-Öl 21“. Erfinder war 1939 der staatlich anerkannte Heilkundige Erich Reinecke. Damals hatte der Bergbau Hochkonjunktur und viele Kumpel suchten Reinecke mit unterschiedlichen Beschwerden auf – Atemwegsprobleme, Hautabschürfungen oder Rückenschmerzen. Da sie aber unter Tage nicht für jedes Zipperlein eine eigene Medizin mitnehmen konnten, war es Reineckes Bestreben, ein einziges Mittel zu entwickeln, das dem Körper hilft, sich selbst zu helfen.

„Das Soli-Öl lockert, löst und entspannt den ganzen Organismus. Man kann es einreiben, einatmen, als Badezusatz oder Saunaaufguss verwenden“, so Inhaberin Karin Ziegler, die das Geschäft 1991 übernommen hat. Da Reinecke keine eigenen Nachkommen hatte und die Chemie zwischen ihm und Ziegler sofort stimmte, als sie sich über das Soli-Öl kennenlernten, fiel die Wahl auf die junge Essenerin als seine Nachfolgerin. „Ich musste nicht lange überlegen, denn ich wollte unbedingt, dass dieses Öl weiterbestehen bleibt – genau so, wie es Herr Reinecke entwickelt hatte: 100 Prozent naturrein, ohne synthetische Zusätze.“ Und das ist bis heute so geblieben: Insgesamt 21 Inhaltsstoffe – davon 18 ätherische Öle wie z. B. die von Lavendel, Melisse, Orange oder Eukalyptus – werden nach den alten Herstellungsvorgaben gemischt. In zwei 200 Liter Tanks wird das fertige Öl gelagert und nach Bedarf abgefüllt.

Geheimrezept zum Mischen

„Das Mischen erfolgt ungefähr alle zwei Monate und dauert jeweils drei bis vier Tage. Ich mache das ausschließlich selbst. Noch nicht einmal meine beiden Angestellten kennen die Uraltrezeptur im Detail – noch nicht“, lacht Ziegler. Nicht nur die Rezeptur ist original von 1939, sondern auch der Öl-Importeur – bei ihm weiß die Inhaberin genau, dass Produktion und Qualität stimmen und die Destillation genau da vorgenommen wird, wo die frischen Pflanzen wachsen. Anders als zu Reineckes Zeiten gibt es keinen direkten Ladenverkauf mehr. Wichtigster Abnehmer heute ist der Pharmagroßhandel, der gewährleistet, dass das Soli-Chlorophyll-Öl S 21 deutschlandweit in jeder Apotheke erhältlich ist.

Auch Ärzte fragen verstärkt nach dem Öl und empfehlen es ihren Patienten weiter. Ganzheitliche Natur – verfahren erfreuen sich neuer Beliebtheit, wie Karin Ziegler feststellen konnte. „Viele Menschen besinnen sich wieder auf die Kraft der Natur und ziehen alt –
bewährte Hausmittel synthetischen Arzneien vor.“