Export bricht Rekordmarke – bleibt das so?

Rund ums Ausland: In der aktuellen Ausgabe unserer meo berichten wir rund um das Thema Ausland. Hier geht es zum Editorial.

Mit 196,2 Milliarden Euro erreichte das Exportvolumen der NRW-Wirtschaft im Jahr 2018 eine neue Rekordmarke. Ob sich die Erfolgsstory fortschreiben lässt, bleibt abzuwarten. So sind die Exporte im November und Dezember 2018 spürbar zurückgegangen. Die Erwartungen für 2019 sind eher verhalten optimistisch. Insgesamt bewegt sich die Wirtschaft international in einem schwierigen Umfeld. Dies bekamen die Unternehmen in der MEO-Region bereits 2018 zu spüren: Die industriellen Auslandsumsätze gingen auf knapp 4,2 Milliarden Euro zurück, die Exportquote liegt mit 46 Prozent nur noch leicht über dem Landesdurchschnitt.

NRW-IHKs geben Trends und Kennzahlen

Für das erfolgreiche Jahr 2018 in NRW sorgten u. a. florierende Geschäfte mit den USA, den Niederlanden und China, die die Einbrüche bei den Ausfuhren Richtung Russland, Großbritannien und Türkei mehr als kompensieren konnten. Diese und weitere Ergebnisse sowie aktuelle Einschätzungen der auslandsaktiven NRW-Wirtschaft werden im „Report Außenwirtschaft 2018/19“ der 16 IHKs in NRW kompakt dargestellt. Hier einige Trends und Kennzahlen im Überblick:

Erwartungen im Export

Gedämpfter Optimismus in NRW: Ein weiteres Rekordjahr 2019 für NRW wird kein Selbstläufer.

  • Nachlassender Export zum Jahreswechsel 2018/19,
  • schwächelnde Konjunktur-Prognosen für die Weltwirtschaft,
  • wachsender Protektionismus oder die möglichen Auswirkungen drohender Handelskonflikte – allen voran USA und China – hinterlassen Spuren.

So fallen die Exporterwartungen der Unternehmen Anfang 2019 im Vergleich zum Vorjahr erheblich niedriger aus. Nach den Ergebnissen der Anfang 2019 durchgeführten Befragung „Going International“ der IHK-Organisation gehen 24 Prozent der Firmen von einer expansiven, 15 Prozent von einer eher rückläufigen Entwicklung aus (Jahresbeginn 2018: 32 zu 9 Prozent). Der Saldo zwischen positiven und negativen Einschätzungen sank damit auf neun Prozent – dieser Wert entspricht dem zu Jahresbeginn 2013.

Meo-Region ist durchaus optimistischer

Ganz anders in der MEO-Region: Laut IHK-Konjunkturbericht zum Jahresbeginn sind die Unternehmen weit optimistischer in das Geschäftsjahr 2019 gestartet. 33 Prozent der Firmen erwarten höhere Exportumsätze, nur 12 niedrigere; damit liegt der Saldo mit 21 Punkten im Plus. Dies stimmt zuversichtlich, dass die Auslandsumsätze der MEO-Unternehmen wieder spürbar ansteigen.

Weltweite Geschäftschancen 2019

Europa sorgt für Zuversicht: Treiber positiver Geschäftserwartungen für 2019 ist Europa. 51,3 Prozent der NRW-Unternehmen sehen „gute“ Geschäftsperspektiven für die Länder der Eurozone, lediglich 4 Prozent „schlechte“ . Das ergibt einen herausragenden Saldo von +47,3 (2018: +28,4). Ebenfalls bemerkenswert sind die Einschätzungen für die „sonstige EU, Schweiz und Norwegen“ (Saldo: +30,7 Prozent). Besonders in Zeiten zunehmender Unsicherheit nehmen die Unternehmen Europa als „sicheren Hafen“ wahr, der ihnen stabile Rahmenbedingungen bietet. Dies unterstreicht die Bedeutung der EU –als einheitlicher Wirtschaftsraum ohne Handelshemmnisse mit einer gemeinsamen Währung in der Euro-Zone. Ein Diagramm der weltweiten Geschäftschancen 2019 finden Sie hier.

Unsichere Rahmenbedingungen lassen Erwartungen sinken

Eingetrübte Aussichten im Rest der Welt: Die zunehmend unsicheren Rahmenbedingungen haben die Erwartungen für einen Großteil der außereuropäischen Länder schrumpfen lassen. So ging der Saldo zwischen positiven und negativen Geschäftsperspektiven für China auf +10,4 weiter zurück (2018: +16,1); für den Asien/Pazifik-Raum beträgt er nur noch +9,5. Bei der Bewertung der Geschäftschancen in den USA – einem der wichtigsten NRW-Partner – sorgen die Drohkulissen Trumps (Zölle und Handelshemmnisse für europäische Waren) für Verunsicherung. Der Anteil der Skeptiker stieg auf 23,2 Prozent deutlich an. Allerdings geht weiterhin fast ein Drittel der NRW-Unternehmen (32,6 Prozent) von guten Geschäftschancen in den Vereinigten Staaten aus.

Geschäftsperspektiven mit Russland weniger erfreulich

Wenig Anlass zur Freude bietet der Blick der NRW-Firmen auf zahlreiche andere Weltregionen. Fast noch ausgeglichen sind die Erwartungen im Geschäft mit Ost-/Südosteuropa (Saldo -1,8), gerade zu pessimistisch jedoch für Süd- und Mittelamerika (-10,5), Subsahara-Afrika (-13,1) und die MENA-Region (-14,5). Ein regelrechter Absturz zeichnet sich für Geschäfte mit Russland ab. Nach einer noch leicht positiven Gesamtbewertung Anfang 2018 mit einem Saldo von+ 6,4 liegt dieser Anfang 2019 bei -25,1. Damit ist Russland das Schlusslicht bei den Geschäftsperspektiven für 2019.

Wichtigste Länder für NRW in Sachen Export

Wenig Bewegung in den Top-10: Die Liste der zehn wichtigsten Zielmärkte für die Exportwirtschaft in NRW umfasst 2018 dieselben Länder wie im Vorjahr. Acht von ihnen liegen innerhalb der Europäischen Union. Deutlich an der Spitze sind erneut die Niederlande – mit einem Export-Wachstum von 5,3 Prozent auf einen Warenwert von 20,5 Milliarden Euro, gefolgt von Frankreich (+2,6 Prozent bzw. 16 Mrd. Euro). Jeweils einen Platz gut gemacht haben die beiden außereuropäischen Länder. Die USA liegen nun auf Platz drei und China auf Platz fünf. Der Export in beide Länder weist 2018 im Ländervergleich die höchsten Wachstumsraten auf – mit 7,2 Prozent (USA) und 6,2 Prozent (China).

Messbaren Schaden hat die schier endlose Hängepartie des Brexit bereits angerichtet. Die fehlende Planungssicherheit hat den Export nach Großbritannien im letzten Jahr um 8 Prozent einbrechen lassen. Ein weiteres Abrutschen des Landes vom aktuell vierten Platz ist angesichts des erneut verschobenen Brexit-Stichtages – jetzt der 31. Oktober 2019 – sehr wahrscheinlich. Insgesamt erfreulich: Der in den Jahren zuvor deutlich gesunkene NRW-Anteil an den deutschen Ausfuhren hat sich seit 2016 stabilisiert und liegt 2018 bei 14,9 Prozent.

Handelshemmnisse

Die USA schließen zu Russland auf: In den meisten – für die NRW-Wirtschaft bedeutenden – Weltregionen erlebten die Firmen 2018 abermals eine Zunahme der Handelshemmnisse im Geschäftsalltag. „Spitzenreiter“ ist erneut Russland – was angesichts der nationalen Hindernisse beim Zugang zum russischen Markt sowie der fortdauernden umfassenden internationalen Sanktionsregime gegen das Land nicht erstaunt. Mit 41,3 Prozent ist der von Handelsbarrieren betroffene Anteil der NRW-Firmen hier am höchsten. Dahinter rangieren aktuell die USA mit 37,3 Prozent – ein Anstieg von 15,4 Prozentpunkte innerhalb eines Jahres. Auch werden aus der Türkei zunehmend Handelshemmnisse gemeldet (Anstieg von 31,1 auf 35,7 Prozent). An vierter Stelle liegen die MENA-Staaten mit 32,1 Prozent gefolgt von China mit 26,2 Prozent.

Sanktionen sind das Haupthindernis

Bei der Art der Handelshemmnisse hat es Verschiebungen gegeben. Erstmals als Option abgefragt, werden Sanktionen von 56,7 Prozent der Unternehmen als Haupthindernis genannt. Zudem sieht sich – trotz rückläufiger Tendenz – jeder zweite Betrieb mit „Lokalen Zertifizierungsanforderungen“ (52,9 Prozent) und „verstärkten Sicherheitsanforderungen“ (50,2 Prozent) konfrontiert. Ausgelöst durch die USA-Politik der „Strafzölle“ und der Gegenmaßnahmen der Handelspartner erlebt die Marktbarriere „Zölle“ leider wieder eine erhöhte Relevanz. War in 2017 mehr als jede fünfte Firma betroffen (22,1 Prozent), so ist es 2018 fast jede dritte( 32,2 Prozent). Hier finden Sie eine dazugehörige Grafik in unserer aktuellen meo.

IHK-Service verstärkt nachgefragt

Vor dem Hintergrund der globalen Entwicklungen waren die Dienstleistungen der 16 IHKs in NRW – als erste Ansprechpartnerin in allen Phasen des Auslandsgeschäfts vor allem für KMU – 2018 stark gefragt:

  • Praxisrelevante Informationen,
  • unternehmensindividuelle Beratungen
  • ebenso wie der Dokumenten-Service für die reibungslose Abwicklung des Auslandsgeschäfts
  • oder Veranstaltungen zu aktuellen Themen.

Besonders der Beratungsbedarf ist bei den Firmen in NRW im letzten Jahr gestiegen – um fast 15 Prozentpunkte.

Hier einige Kennzahlen aus 2018 im Überblick:
  • beraten: 120.937 individuelle Beratungen zu Ländern und Märkten sowie Zoll- und Außenwirtschaftsrecht
  • ausgestellt: 336.459 Ursprungszeugnisse und 102.395 Bescheinigungen für den Außenwirtschaftsverkehr
  • durchgeführt: 13 Unternehmerreisen mit 217 Teilnehmenden
  • organisiert: 465 Veranstaltungen zu Länderschwerpunkten, Zoll- und Fachthemen mit über 14.000 Teilnehmenden

Höhepunkt des Veranstaltungsjahres 2018 war der Außenwirtschaftstag NRW, der mit rund 700 Teilnehmenden im Eurogress Aachen stattfand. Die im Zwei-Jahresrhythmus von den IHKs in NRW durchgeführte Veranstaltung rund um die Außenwirtschaft ist landesweit die größte ihrer Art.

Bitte bereits vormerken: Der nächste IHK-Außenwirtschaftstag NRW findet am 17. September 2020 – unter Federführung der IHK zu Essen – in der Philharmonie in Essen statt.

Apropos Länderschwerpunkte: Um ihren Mitgliedsfirmen die umfassende Expertise zu wichtigen Auslandsmärkten zu bieten, haben sich die IHKs in NRW auf bestimmte Märkte spezialisiert und Länderschwerpunkte gebildet. So ist die IHK zu Essen bereits seit vielen Jahren NRW-Schwerpunktkammer für die lateinamerikanischen Länder im Mercosur-Raum. Siehe dazu Seite 12. Einen Überblick über unser umfassendes Aufgabenspektrum und unsere Ansprechpartner im IHK-Bereich International finden Sie auf unserer Internetseite unter Dok.-Nr. 12527.

Über das Veranstaltungsangebot der IHKs im Ruhrgebiet für das 2. Halbjahr 2019 informiert der Flyer„ Marktchancen Weltweit“ (Dok.-Nr. 286408). Der komplette Report Außenwirtschaft NRW 2018/2019 steht unter Dok.-Nr. 4451336 zum Download bereit.